Der Markt der Avatare – reale Unternehmen in Second Life
Posted on | March 19, 2009 | No Comments
Second Life ist, trotz negativer Presse nach einem Jahr Hype, ein hochaktuelles Thema: nicht nur was die Beschäftigung der Wissenschaft mit diesem Thema betrifft, sondern vor allem weil es immer noch eine sehr große Masse an funktionierenden Einrichtungen, Gemeinschaften und Zukunftsvorstellungen gibt. Dies können reisserische Zeitungsberichte nicht “wegleugnen”, höchstens ausblenden.

Das Buch “Der Markt der Avatare – reale Unternehmen in Second Life” von Matthias Rückert und Gregor Vincentz beschäftigt sich mit einem Teilaspekt dieser virtuellen Welt: es geht um die Ökonomie von Second Life. D.h., um die wirtschaftlichen Grundlagen von in der wirklichen Welt ansässigen Unternehmen, die in Second Life eine Dependance eröffnen möchten.
In einem ersten Teil geht es um die wirtschaftlichen Grundlagen, die Second Life bietet. Wie kaum eine andere virtuelle Welt ist Second Life in Sachen ökonomischer Freiheiten ein Vorzeigebeispiel. Währung, Märkte und Preise sind fast gänzlich den real-typischen Marktmechanismen “nachempfunden” – sie regeln sich fast ohne Zutun des Betreibers selbst. Trotzdem weisen die Autoren auf die wirtschaftlichen und rechtlichen Gefahren (im Sinne finanzieller Risiken) hin.
Dieser Widerstreit aus Möglichkeiten der Plattform, potentieller Risken und einer trotz millionenfacher Registrierungen recht kleinen Anzahl potentieller Nutzer (die tatsächlich aktive Bevölkerung von Second Life liegt irgendwo zwischen 350.000 und 1,5 Millionen, je nach dem wie die Intensität der Nutzung als Argument verwendet wird) wird besonders in den 16 Fallbeispielen sichtbar, die gleichzeitig das Interessante an diesem Buch darstellen. Sie zeichnen die Versuche und die Erfahrungen von Unternehmen nach, die trotz (manchmal massiver) Investitionen unterschiedliche Resultate erwirtschaftet haben.
Ich möchte dieses Buch allen empfehlen, die sich entweder mit dem Einstieg ihres Unternehmens in Second Life beschäftigen, sowie allen, die im Bereich Marketing unterwegs sind. Es bietet einen schnellen und guten Überblick über die Möglichkeiten eines neuen, interessanten und zukunftsträchtigen Vertriebs- und Kommunikationskanals.
Bibliographische Angaben:
Matthias Rückert, Gregor Vincentz
Der Markt der Avatare – reale Unternehmen in Second Life
Books on demand Gmbh, Nordstedt, 2008
Tags: marketing > second life > virtuelle welt > wirtschaft
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Sekai Camera: die revolutionäre Informationsbrille für den Alltag
Posted on | September 18, 2008 | 3 Comments
Das nenne ich einen Quantensprung: bei der diesjährigen TC50 Veranstaltung in den USA prämierte eine japanische Firma mit einem neuen Produkt: Software, die basierend auf dem iPhone, wie eine Leselupe für die Welt fungiert. Das muss ich natürlich ein wenig genauer beschreiben:
Das Produkt nennt sich Sekai Camera (japanisch für Welt-Kamera) ist eine Art Lexikon, Gelbe Seiten, Wikipedia, News-Quelle, Produkt-Info und alles andere, was man sich als Informationsresource vorstellen kann. Das wirklich Geniale dabei ist, dass hier nicht die Tastatur als Eingabemedium dient, sondern die iPhone Kamera. Das heißt, man hält das Gerät vor sich hin, zielt mit der Kamera auf das präferierte Objekt, und bekommt über das Kameradisplay sofort und ohne jegliches Zutun Informationen zum Objekt – ob Buchrücken, Schokolade im Regal, Kinoplakat oder Katze am Strassenrand. Die Objekte werden erkannt, richtige Informationsquellen zugeordnet und angeboten. Wie Sie im Video sehen werden, das iPhone ist dabei eine Art Lupe und Informationskanal in einem, eine gläserne Kristallkugel, die alles erkennt und Informationen dazu ausspuckt. Davon haben die Alchimisten früherer Jahrhunderte wohl geträumt. ;D
Dabei habe ich das eigentliche Funktionsprinzip noch gar nicht erwähnt: Social Tagging. User, die Produzenten der Software als auch andere Webquellen können über Tags die reale Welt auf den Bildschirm übertragen (einen im Prinzip ähnlichen, aber dann schlussendlich völlig anders umgesetzten Tagging-Ansatz haben wir auch schon bei Semapedia gesehen). Im Video sind diese gelben Tags öfters zu sehen. Ich stelle mir einfach mal nur vor, wie es wäre, durch eine Freihandaufstellung mit der Sekai-Kamera zu gehen und ich bekomme nicht nur die Angaben, die ich im Buch finden würde, geliefert, sondern auch Daten als MashUp z.B. über Amazon (Links zu zitierten und von zitierenden Werken, weitere Tags und Kategorien, die Webseite und Referenzen des Autors etc.).
Die Sekai Camera realisiert dabei im Prinzip etwas, was wir in 3D-Welten schon vorfinden: die bildliche Beschreibung von Objekten, wenn wir an ihnen vorbei laufen. Avatare benötigen keine Sekai Camera, und sie können sofort mit den gefundenen Objekten interagieren. Nun wird diese Arbeitsweise von der virtuellen Welt in die reale Welt übertragen. Die Virtualisierung der physischen Welt hat also (sicherlich schon früher, aber jetzt ganz bestimmt) begonnen. Ist das die menschliche Evolution?

Hier wird sicherlich noch ein weiteres Thema eine Rolle spielen wollen: die Ausweitung des Social Tagging auf Maschinen-lesbare Tags. Dies wird einen Schub für das Semantic Web bringen, welches dem User derzeit ziemlich schnuppe ist, auch wenn das Thema von Seiten der Industrie gepusht wird. Maschinen-lesbare Tags sind eine Art Mischung aus freien Tags und zentral-definierten und erfassten Metadaten für Informationsresourcen. Mehr dazu in den nächsten Tagen und Wochen.
[Technorati Tags: Bibliothek 2.0 - social tagging ]
Tags: bibliothek 2.0 > iphone > sekai camera > social tagging > virtuelle welt




