MBI Blog

“Buch” im Zeitalter mobiler Geräte

Posted on | May 18, 2010 | 2 Comments

Wenn ich wieder einmal mit Studenten und Bibliothekaren in einem meiner Seminare zur Zukunft der Bibliothek diskutiere, fällt oft das Argument, eBooks seien kein vollwertiger Buchersatz. Warum? Das Haptische würde fehlen, das Blättern, das Lesezeichen, der Umschlag etc. Im Grunde also Eigenschaften, die sich auf das Trägermedium beziehen. Durch das Trägermedium ist aber auch die Funktion vorgegeben, also das Lesen von vorne nach hinten (oder anders rum, in anderen Sprachen), das lineare Lesen, das Folgen einer strikten Leseanweisung.

In Techcrunch habe ich einen Artikel gefunden, der meine Meinung teilt: das Lesen so wie wir es kennen wird sich verändern, und dabei die Frage des Trägermediums zu einer Nebensache werden. Andere Träger, andere Funktionen, oder so ungefähr. Der Autor des erwähnten Artikels meint zum Lesen auf mobilen Geräten: “There are literary techniques, there will be iPad techniques”. Und damit meint er: das “Buch” nicht als Buch sehen, sondern als App(lication). Damit ergeben sich vielfältige Funktionen, die ein Buch nie aufweisen kann. Oder wie der Autor betont: damit werden Bücher für eine neue Generation von Lesern bereitstehen, die unmöglich sein werden, gedruckt zu werden. Eine neue literarische Sorte entsteht.

Comments

NZETC: Neuseelands freie online Texte

Posted on | September 18, 2009 | No Comments

Nun bietet auch Neuseeland sein eigenes Online-Verzeichnis freier Texte (Artikel, eBooks, digitalisierte Bücher etc) an. Im Umfang noch eher bescheiden (rund 1.000 Einheiten), enthält es Literatur zu Neuseeland und den pazifischen Inseln sowie über deren Bewohner.

Keyword-Suche und einfaches Browsen ist möglich und bei dieser Anzahl an Einheiten wohl einfach. Der Download der Materialien auf den eigenen eBook Reader ist möglich, wobei man das Format beachten muss. Eventuell benötigt man (freie) Software, um eBook Formate in andere zu konvertieren.

Insgesamt eine schöne Idee und nützlicher Service, die sich mit Neuseeländischer und Pazifischer Kultur beschäftigen.

Link: NZETC

Comments

John Palfrey & Urs Gasser: Generation Internet

Posted on | January 28, 2009 | 1 Comment

Im Originaltitel „Born Digital. Understanding the First Generation of Digital Natives“ ist das Buch nun auch in deutscher Sprache erhältlich und beschäftigt sich – wie der Titel es ankündigt – mit der so genannten digitalen Generation. Dazu zählen jene Menschen, die von klein auf mit und durch die IT-Technik geprägt worden sind.

Das Buch befasst sich auf über 400 Seiten mit vielen Aspekten des digitalen Lebens und wie dieses – im Gegensatz zu den Nicht-Digitals – im Leben dieser neuen Generation Eingang findet. Das Buch ist weder eine naive Befürwortung noch eine orthodoxe Ablehnung dieses neuen Lebensstils, statt dessen eine recht nüchterne Angelegenheit, die Fakten und Entwicklungen sammelt und aufzeigt. Erst gegen Schluss des Buches wagen sich auch die Autoren in media res, was aber, meiner Meinung nach, nur bedingt gelingt: die eMail-Korrespondenz zum Buch als Hommage an die neuen Medien hätte radikaler oder gar nicht passieren sollen.

Wie dem auch sei, die Kapitel versprechen Spannung: Identitäten, Sicherheit, Qualität, Overload, Lernen und viele mehr haben genug Reizwort-Qualität, als dass man gleich nachschlagen möge, was uns (?) denn da blüht. Manches mag dann sogar ein wenig bekannt vorkommen, um kurz bei der Lektüre darüber zu sinnieren, ob man denn vielleicht zu dieser Generation dazu gehöre oder nicht.

Einige der Kapitel sind in der Tat sehr geglückt. Die Vorstellung, wie Identitäten jetzt schon und in der Zukunft noch in einem viel stärkeren Ausmaß digital beeinflusst und mitbestimmt werden, auch ohne großes eigenes Zutun, ist faszinierend und erschreckend zugleich. Gleichzeitig aber auch eine Aufforderung, nicht den Kopf in den Sand zu stecken, sondern hier aktiv mitzugestalten und sich bewusst werden, welche online Handlungen welche Auswirkungen zur Folge haben. Diese Aufforderung ist der durchgehende Tenor des Buches: mit Vernunft an die Sache herangehen, nicht verteufeln, aber auch nicht blind alles online stellen und nutzen. Denn nichts ist dauerhafter als der ungewollte Cache im Web.

Sehr schön räumt das Buch daher auch mit allerlei positiv und negativ besetzten Vorurteilen auf. Und das ist schon etwas. Das Buch, welches die digital natives eher belustigend finden werden, ist für alle anderen ein Blick in die Zukunft, die für viele unter uns schon Gegenwart geworden ist. Empfehlenswert, und eine immer größer werdende Gruppe der Gesellschaft umfassender zu verstehen als es bis jetzt geschieht.

Bibliographische Angaben:
John Palfrey & Urs Gasser:
Generation Internet. Die Digital Natives: Wie sie leben – Was sie denken – Wie sie arbeiten

Die Digtial Naitves: Wie sie leben. Was sie denken. Wie sie arbeiten.
Hanser Verlag, München, 2009

Comments

Online Katalog historischer Schätze

Posted on | September 29, 2008 | No Comments

Ein schönes Verzeichnis von anthropologisch interessanten Objekten bietet die Wake Forest Universität (USA) nun auch online an. Die Datenbank (ca. 26. Artifakte) ist durchsuchbar (diverse Filter) und bietet zu sehr vielen Objekten auch Bildmaterial. Jedes einzelne Objekt bietet Beschreibungen, Fundort, Alter etc.

Andere Quellen für Geschichts-Interessierte habe ich schon früher kurz beschrieben: das Indiana Magazine of History, the Scottish Screen Archive, NativeWiki, Foto-Archiv zu L.A., und viele mehr.

[Technorati Tags: Online-Verzeichnis - ]

Comments

Claus Pias und Christian Holtorf (Hrg.): Escape! Computerspiele als Kulturtechnik.

Posted on | May 28, 2008 | 1 Comment

Computerspiele sind im Bereich der Bibliotheken überhaupt nicht und wenn doch sehr kritisch betrachtet worden. Einige wenige Ausnahmen, vor allem in Nordamerika, existieren. Faktum ist: Computerspiele werden als einer Bibliothek nicht würdig, als nicht „intellektuell“ genug, als Spielerei eben abgetan. Dass damit ein möglicher Zugang zu potentiellen LeserInnen nicht geöffnet wird, möchte ich an dieser Stelle nicht weiter ausführen. Aber wenn Literatur, Musik und Filme, Datenbanken und Web-Portale zum Gegenstand von Bibliotheken gehören, warum auch nicht Spiele?

„Escape! Computerspiele als Kulturtechnik.“ beschreibt einen scheinbar neuen Trend unserer Gesellschaften, der aber doch schon seit „Anfängen“ der Menschheit währt: die Lust zum Spiel. Und weil es sich neuerdings nicht nur in der physischen Realität, sondern auch im Computer-vermittelten virtuellen Raum ab-spielt, ist es wieder aufs Parkett wissenschaftlicher Betrachtung geraten. Mehrere namhafte Autoren aus verschiedensten wissenschaftlichen Traditionen geben in diesem Band ihre Ideen und Gedanken zum Thema Computerspiele an uns weiter.

Aus dieser Vielfalt von pädagogischen, soziologischen, anthropologischen und psychologischen wie philosophischen Beiträgen möchte ich jenen von Fritz Böhle herausgreifen. Böhle beschäftigt sich mit der kultur- und arbeitssoziologischen Sicht zu Spielen und stellt dar, welche Spiele sozial akzeptiert („Schach“) und welche geringschätzig („Computerspiel“) betrachtet werden. Damit will eigentlich nur eines gesagt sein: den Wert eines spezifischen Spiels legt die Gesellschaft fest, und die aktuelle Bewertung kann sich ändern. Also auch die des Computerspiels. Die Kritik am Computerspiel kommt derzeit von vielen Seiten und bezieht sich auf deren Inhalte („Gewalt“), deren Nutzen („Zeitverschwendung“), deren Ausübung („soziale Isolation vor dem Monitor“) und der Verkrüppelung des menschlichen Körpers („Stubenhocker“, Einschränkung der Sinne auf den Seh- und Hörsinn).

Böhle bietet drei Argumente, welche den Stellenwert von Computerspielen erhöhen: die Eröffnung von Erfahrungsräumen jenseits praktische möglichen Handelns (also das Kennenlernen einer Alternative zur Alltagsrealität, um darüber diese wiederzuentdecken), die Verschiebung von der Fremd- zur Selbstorganisation des Spielens (entspräche dem aktuellen Trend der Arbeitswelt nach mehr Selbstorganisation) und der Erwerb von praktisch nützlichen Kompetenzen („Computer als Erfahrungs- und Lernfeld“).

Betrachten wir die aktuelle Diskussion in Bibliotheken zum Thema „Teaching Library“, so werden Einsatzmöglichkeiten von Computerspielen klarer. Ich meine hier (übereinstimmend mit Fritz Böhle), dass hier weniger „pädagogisch optimierte Lernspiele“ zum Einsatz kommen sollten, sondern dass der Lerneffekt ein informeller ist und der Zugang zum Erwerb von Kompetenzen wie Umgang mit dem PC ein spielerischer ist. Nicht der Erwerb einer Kompetenz steht im Vordergrund, sondern das Spiel.

Der Beitrag von Böhle ist beispielgebend für eine differenzierte Auseinandersetzung mit dem Thema. Der Band ist insgesamt eine sehr schöne und facettenreiche Einführung in die aktuelle Diskussion und Rezeption von Computerspielen in der Wissenschaft und Alltagskultur. In allem, ein empfehlenswerter Band für alle, die Computerspiele als Kulturtechnik verstehen möchten.

Bibliographische Angaben:
Claus Pias und Christian Holtorf (Hrg.): Escape! Computerspiele als Kulturtechnik.
Böhlau Verlag, 2007
Köln
Buchinfo hier

Comments

  • Web 2.0 Surfcamp

  • RSS Feed & Abo

  • eBook ‘e-Portfolio’

    eBook ePortfolio & Identität
  • Seiten

  • Disclaimer

    Copy rights
    You are free: to copy, distribute, display, and perform the work to make derivative works under the following conditions: Attribution. You must give the original author credit; Noncommercial. You may not use this work for commercial purposes; Share Alike. You may not alter, transform, or build upon this work For any reuse or distribution, you must make clear to others the license terms of this work. Any of these condition can be waived if you get permission from the author.


    Trotz sorgfältiger inhaltlicher Kontrolle übernehmen wir keine Haftung für die Inhalte externer Links. Für den Inhalt der verlinkten Seiten sind ausschließlich deren Betreiber verantwortlich. Aufgrund der sich ständig verändernden Inhalte bei Kommentaren ist es dem Betreiber nicht möglich, alle Beiträge lückenlos zu sichten, inhaltlich zu prüfen und die unmittelbare aktive Kontrolle darüber auszuüben. Es wird keine Verantwortung für den Inhalt, die Korrektheit und die Form der eingestellten Kommentare übernommen. Gesetzeswidrige Informationen werden unverzüglich entfernt, sobald die Betreiber oder die Administratoren Kenntnis von ihnen erlangt haben. Es werden auf der gesamten Domain keine Aufzeichnungen über das Besucherverhalten durchgeführt.
  • Switch to our mobile site