Siri und die Folgen: Teil 2 – Google
Posted on | November 11, 2011 | No Comments
Gestern hatte ich über Siri und seine möglichen Konsequenzen für Bibliotheksdienste nachgedacht. Nun ist der Seniorpartner vieler Bibliotheken, der Gigant Google, im Mittelpunkt der Überlegungen: Welchen Einfluss wird Siri auf das Geschäft von Google nehmen können?
Voice recognition ist für Google kein neues Thema. Tatsächlich war vor Jahren Google mit der Übernahme von kleinen Softwareschmieden in der Lage, Spracherkennung als Anwendung für Smartphones zu präsentieren (“Google Voice“). Im Wesentlichen beschränkte sich dieser Dienst auf die Durchsuchbarkeit von Sprachnachrichten, also die Umwandlung von gesprochenen Text in Volltext. Dienste wie Siri sind aber um einen entscheidenden Schritt weiter: sie erkennen die Bedeutung des Gesprochenen und können darauf in einer Weise reagieren, die dem eines idealen digitalen Assistenten entsprechen.
Google’s Geschäftsmodell basiert, sehr vereinfacht ausgedrückt, auf der folgenden Gleichung: mehr Nutzer = mehr Traffic = mehr Werbeeinnahmen. Es gibt zwei Arten von Google-Diensten: a) jene, die gleichzeitig auch Werbeplattform sind (Google Suche, GMail, YouTube, Partnerseiten mit AdWords/AdSense etc.) und b) die zusammen mit a) über die Datensammlung mit der Bildung von Nutzerprofilen beauftragt sind (Google Analytics, Desktop Search, Google+, etc.). Für beide Typen könnten mit Siri herausfordernde Zeiten hereinbrechen.
Google und das Werbegeld
Google verdient fast ausschließlich mit Werbung sein Geld. Eine Zahlung an Google wird vom Werbetreibenden meist nur dann notwendig, wenn ein Nutzer auf die entsprechende Werbung klickt. Mit Siri könnte dieses Geschäftsmodell unterlaufen werden, denn Siri sucht in “organischen” Trefferlisten. Ein “Tarnen” von Werbung in den natürlichen Treffern seitens Google wäre möglich, allerdings stellt sich dann die Frage der Relevanz der Trefferliste. Konsequenterweise würde sich der Traffic durch Humanoide verringern, Bildwerbung an Bedeutung verlieren. Für die Online Marketing Industrie müssten neue Formate für den Siri-Bot entwickelt werden, auf die es ganz besonders gern anbeißen würde. Auch dies würde die Relevanz einer Suche in Google für Siri-Nutzer senken. Im schlimmsten Fall könnten die Macher von Siri (in diesem Fall Apple) auf Google’s Daten gänzlich verzichten und andere Partner ins Boot holen, derer sich Siri bedienen würde. Dieser wäre der Super-GAU für Google - weniger Nutzer = weniger Traffic = weniger Werbeeinnahmen.
Google und die Bildung von Nutzerprofilen
Entscheiden sich die Administratoren von Siri dazu, Google und Google Dienste von einer Partnerschaft mit Siri auszuschließen, dann hat Google begrenzte Möglichkeiten der Profilbildung. Stellen wir uns Siri als unternehmens- oder teamweiter Assistent vor, so agiert Siri gleichzeitig für viele verschiedene Nutzer in einem Netzwerk gleichzeitig. Für Google und ähnliche Unternehmen wäre es schwer, Profile zu entwickeln. Und wo keine Nutzer, da auch keine Profile.
Google bläst seiner Cash Cow, der Suche, zunehmend ein rauherer technologischer Wind entgegen: Real Time Suche in Twitter, Contentempfehlung statt Recherche in sozialen Netzwerken, und nun das Outsourcing der Recherche an digitale Assistenten. Google wird sich auch hier etwas einfallen müssen, um die finanzielle Quelle seiner Möglichkeiten zu verlieren. Interessanterweise tut er das auch mit Hilfe der großen Bibliotheken: Anlegen eines digitalen Schatzes namens Google Books.
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Das iPad ist da – und was wir für die Bibliothek erwarten können…
Posted on | January 28, 2010 | 6 Comments
Nun ist der Vorhang endlich gefallen, das mit viel Pomp und Spekulationen angekündigte Tablet von Apple ist da. iPad soll es heißen, wahrscheinlich in 2-3 Monaten zu kaufen sein (in den USA) und schick ist es. Was uns aber interessiert, ist ob es einen ähnlichen Erfolg hinlegen wird wie iPod und iPhone. Warum? Weil eine Massenanwendung wie diese die Art und Weise, wie wir mit Informationen umgehen, revolutionieren kann.
Noch sind die Features des iPad limitiert – Entertainment (Video, Musik), Kommunikation (eMail), Bilderverwaltung und Informationsrecherche (Web-Browser), Kalender und Kontaktadministration. Und da ist noch die eBook-Anwendung, welche eBooks über das eingebaute iBookstore laden und lesen kann. Also eine Konkurrenz zu Kindle, Sony eReader und Nook. Nur mit einem feinen Unterschied: dieser eReader ist mit dem App-Store multifunktional und nicht auf eBooks beschränkt.

Durch seine Touchscreen-Funktionalität, die schon beim iPhone viele begeistert, ist Apple ein interessantes Produkt gelungen. Mit dem integrierten App Store ist es aber “beliebig” erweiterbar. Und damit kommen wir zur Frage, wie das iPad auch die Realität der Bibliothekssäle verändern könnte:
- Lehrbücher werden über iBooks zum digitalen Upload auf das Gerät angeboten
- Library-Apps führen Leser zum Aufstellungsort von Büchern, welche vorher recherchiert wurden
- Bibliothekspersonal pflegt den Buchbestand direkt am Regal über das iPad (einstellen, suchen, ausheben, …)
- Bücher, deren digitale Kopie nicht “aus dem Haus” gegeben werden soll, werden zur Lektüre über lokale iPad Reader zum Studium angeboten
- Die nächste Stufe der Katalog-Anreicherung über das Multi-Media Angebot am iPad
- Das iPad als das zentrale Verbindungsglied zwischen Informationsbeschaffung (Bibliothek) und Verarbeitung (Lehre): Informationen finden, kombinieren, präsentieren.
- Eine Veränderung der Möbelierung: wir brauchen keine Tische mehr, sondern bequeme Sofa-Sessel im Lesesaal
- Das Ende des Leseausweises für iPad-User
- …
Alles sehr spekulativ, aber auch nicht allzu unwahrscheinlich. Was glauben Sie, was sich mit dem iPad alles ändern könnte?




