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Auf dem Weg zu Biedermeier 2.0: Google Glass

Posted on | March 14, 2013 | 2 Comments

Es ist schon erstaunlich, wie wenig Resonanz Google Glass in der kritischen Öffentlichkeit findet. Wir mögen keine Überwachungskameras. Wir wollen kein Google Street. Aber Google Glass hat das Potential, dies alles wie einen Kindergeburtstag aussehen zu lassen. Man muss sich nur vorstellen, wie ein paar Google Glass Träger das tägliche, öffentliche Leben durcheinander bringen werden – wie wird sich unser Leben verändern, wenn wir permanent damit rechnen müssen, per Video aufgezeichnet zu werden? Da kommt ein Rattenschwanz an Folgen auf uns zu, denn die Videos werden in die Cloud (aka Google Server) übertragen und gespeichert. Mit den heutigen Technologien der Gesichtsfelderkennung, der Sprache-zu-Text Übersetzung und der Bestimmung von Position und Zeitpunkt ein Überwachungsinstrument – für wen auch immer – der Sonderklasse. Für alle Zeit.

Werden wir uns also plötzlich in der Öffentlichkeit anders benehmen, zumindest darstellen, anders sprechen? Weil wir nicht wissen, was morgen als beschämend, sozial nicht toleriert oder gar als kriminell gelten wird? Scheint, als ob ein Biedermeier 2.0 über uns hereinbricht. Der totale Rückzug in eine nicht öffentliche Zone, die von keiner Überwachungstechnologie kontaminiert ist. Das ist die neue Privatsphäre. Die Emigration zurück in das nicht-angeschlossene Hinterzimmer, in dem in kleinen sozialen Zirkeln alles ausgelebt werden wird, was ein paar Meter weiter potentielle Gefahr bedeutet. Es wird Ablagen im Vorraum geben für elektronische Geräte, einen Scanner für im Körper integrierte Elektronik und Sensorik und wohl auch eigene, separate Kleidung “garantiert frei” von Überwachungstechnologie. Das politische Intermezzo von “Demokratie” und “Menschenrechten” ist in ernsthafter Gefahr.

Comments

2 Responses to “Auf dem Weg zu Biedermeier 2.0: Google Glass”

  1. Karl
    March 15th, 2013 @ 7:51 am

    Ein kritischer Kommentar, dem ich nur zustimmen kann. Doch wir übersehen, dass die Überwachung längst Einzug in unsere Hinterzimmer gehalten hat. Wir tragen sie nämlich selber hinein.
    LG Karl

  2. Mit Brille fremde Sprachen verstehen : MBI Blog
    October 10th, 2013 @ 6:24 am

    [...] Personenerkennung etwa. Das Rennen um die “intelligente Brille” hat begonnen – Google Glass [...]

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