Ozeane & High Tech – Teil 1: Mobiler Arbeitsplatz

Ich bin über eine schlaue Idee auf die Frage gestoßen, welche Rolle Ozeane in unserer High-Tech-Welt spielen. In Teil 1 dieser Mini-Serie möchte ich über ein Projekt berichtet, welches die Initialzündung zu diesen Blog-Posts gegeben hat: das Projekt Blueseed.

Die Idee zum Projekt Blueseed entstand aus der Notwendigkeit, Talente und Know-How aus verschiedenen Branchen nach Silicon Valley zu bringen. Normalerweise ist der Aufenthalt in den USA leichter zu bewerkstelligen als in Europa, aber auch dort gibt es “Grenzen”, die es verhindern, dass temporärer Aufenthalt für Fachkräfte realisiert wird. In Silicon Valley ist man aber ganz besonders auf Know-How-Träger angewiesen, um neue Unternehmungen auf die Beine zu stellen.

Hier kommt nun das Projekt Blueseed ins Spiel, welches eine Art “Wohn- und Arbeitsstätte” für diese Talente sein soll. Diese Personengruppe, welche nicht in den USA arbeiten dürfen, nutzen diese Wohnstätten, die sich außerhalb des US-Territoriums befinden, aber noch nahe genug, dass auch persönliche Treffen möglich sind. Und das ist knapp außerhalb der Territorialgewässer der USA, also außerhalb einer 12-Meilen-Zone. Blueseed plant den Einsatz von entsprechend eingerichteten Schiffen, die über Unterwasserkabel oder Satellitenverbindung mit der Küste verbunden sind. Hubschrauberlandeplätze und Speedboote dienen dem physischen Transport der Gäste und der Versorgung.

So ein Konzept wirft natürlich eine Unmenge an interessanten Fragen auf. Nicht nur, dass Arbeitsplatz und Wohnort wieder fast eins werden und ich (als Bewohner eines dieser Schiffe) immer wieder interessante Personen im gemeinsamen Arbeitsraum antreffe (siehe auch Konzept der Bibliothek als Großraumbüro oder NextSpace, wo Arbeitsraum an Webworker vermietet wird), sondern auch:

  • Wenn ich in internationalen Gewässern arbeite UND wohne, welches Einkommenssteuerrecht gilt?
  • Welches nationale Recht kommt überhaupt zur Anwendung (z.B. Datenschutz?)
  • Verstärkt der Platzmangel die Tendenz zu elektronischen Medien (e-Books etc.)?
  • Wie Ressourcen-schonend ist dieser Lifestyle im Gegensatz zum typischen Modell “Büro-Wohnhaus”?

Ich bin schon gespannt auf das erste Schiff, welches diese Möglichkeiten bietet. In ähnlichen Ausführungen haben wir diese Idee schon kennengelernt, z.B. das “Abtreibungsschiff Aurora“, auf welchem ärztliche Eingriffe außerhalb der jeweiligen Territorialgewässer durchgeführt wurden, um nicht mit dem Gesetz des jeweiligen Landes in Konflikt zu kommen. Sollte diese Idee des “Wohnort Ozean” einmal greifen, sind Nachahmer wohl die Folge. Und: es wäre ein mobiles Arbeiten auf der ganzen Welt (also Länder mit Meereszugang) ohne Visa-Bestimmungen möglich. Das wäre wohl eine kleine, aber interessante Nische der Globalisierung.

In Teil 2 dieser Serie geht es über die Lagerung und Verarbeitung von Daten auf dem Ozean.

Link: Blueseed

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