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Die Star-Alliance der Hybridbibliotheken – Teil 5

Posted on | April 21, 2010 | No Comments

[Lesen Sie hier Teil 4 der Serie...]

5. Die Hybridbibliothek der Zukunft – das Star-Alliance-Modell?

Ich habe versucht, eine Strategie zu entwerfen, die Hybridbibliotheken wieder in den Mittelpunkt der Wertschöpfungskette „Wissenschaft“, „Lehre“ oder „Lebensbegleitende Bildung“ rücken. Diese Strategie vielleicht hübsch, dennoch hat sie in der Realität mit Bremsklötzen zu kämpfen: fehlendes Investitionskapital, starre Strukturen, limitiertes Know-How. Das alles drückt auf Projekte, die bereits bestehende Ressourcen (Content beispielsweise) auspielen möchten (Digitalisierung z.B.).

Diesen Limits könnte man mit einer Strategie der Synergien begegnen. Da Bibliotheken untereinander eher unterstützend agieren und sich weniger als Konkurrenten sehen, die Bedrohung von außen aber als eine gemeinsame empfinden, liegt nichts näher, als verteilte Ressourcen zu bündeln und konzentrierter einzusetzen.

Damit ist nicht etwa eine zentrale Mittelverteilungsstelle gemeint, oder eine große Bibliothek als Dach für alle anderen, sondern ein Modell, dass wir schon aus anderen Branchen kennen, wie der Luftfahrt. Unternehmen schließen sich zu einer strategischen Allianz zusammen, um ihre Ressourcen besser zu verwenden, anstatt sie für Aufgaben auszugeben, die lokal von einem Mitglied so oder so übernommen werden können. Dieses „Star-Alliance“-Modell ist sicherlich nicht 1:1 auf die Bibliotheksszene übertragbar, hat aber dennoch einige interessante Effekte und Potentiale:

  • Das Modell der Nationallizenzen, in Deutschland schon praktiziert, zeigt die Möglichkeit der Kostenreduktion bei gleichzeitigem Zugang zur Informationsressource für alle Bibliotheksnutzer. Hybridbibliotheken würden hier als lokale Informationsversorger agieren, die über nationale Ressourcen verfügen.
  • Nutzer haben über ihre Hybridbibliothek Zugang zum Content aller anderen Bibliotheken dieses Netzwerks
  • Was wir heute schon im Verbund bei der Formal- und Sacherschließung haben, könnte man auf die Gebiete der Web-Applikationen ausweiten, Rechnerleistung teilen, zentrale und mächtige Suchwerkzeuge etablieren.
  • Jede lokale Hybridbibliothek würde ihr Fachgebiet weiterhin pflegen und auch den Netzpartnern ihr Know-How über ihre Teilnahme zur Verfügung stellen. Davon profitieren wiederum die Nutzer anderer Hybridbibliotheken.
  • Das vereinzelte Know-How bei der Umsetzung eines solchen Projektes (inhaltlich, technisch, betriebswirtschaftlich) würde wiederum aus den einzelnen Partnern des Netzwerks stammen.

Eine Star-Alliance der Hybridbibliotheken wäre miteinander stark vernetzt (technisch, inhaltlich) und nicht so locker wie die Szene heutzutage über gemeinsame Arbeitsgruppen. Es müsste eine klare Aufgabenteilung und –übernahmen geben, damit in einem Netz Dienste effizienter und effektiver für den Nutzer angeboten werden könnten. Die Star-Alliance würde sich als Service-Provider verstehen, der alle Aufgaben, die zur Wertschöpfung von Wissen notwendig sind, abdeckt.

Der Vorteil eines Netzwerks von Hybridbibliothek liegt aber nicht nur in besseren Einkaufskonditionen, besserer Know-How Konzentration und Bündelung von Arbeitsressourcen, sondern auch in seiner neuen Rolle als ernstzunehmender Publikationsort: entweder als Marke oder zumindest als technische Plattform, die Wissenschaftler zur Veröffentlichung, Zitation genauso wie zur einfacheren Recherche dienen könnte.

Ein Netzwerk von Partnern vermeidet auch die Bildung eines zentralen Wasserkopfes. In der Technik ist ein solches verteiltes Konzept nur zu begrüßen: lokale Betreuung, höhere Sicherheit, Ausgleich der Serverlasten, geringeres Ausfallsrisiko. Auch könnten damit bestehende Infrastruktur sinnvoll weiter genutzt werden. Es entsteht so kein Sub-Dienstleistungsunternehmen, welches IT-Services anzubieten hat. Die Konflikte auf den Unis zwischen IT-Abteilungen und Bibliotheken sind Legende. Eine zentrale Stelle würde diese Erfahrung nur verstärken.

Eine Star-Alliance, die die Wissenswertschöpfung zum Inhalt und Ziel hat, würde als Service-Provider wahrgenommen werden. Cloud computing, Informationsrecherche, Content-Erschließung, alles in einer großen Menge, die nicht nur auf die Nutzer (Mehrwert) eine positive Sogwirkung hätte, sondern auch auf Partner außerhalb der eigentlichen Bibliotheksszene.

Damit komme ich zum letzten Punkt, den ich als die große Stärke eines solchen Netzwerkes sehen würde: das Angebot von lebensbegleitenden ePortfolios. ePortfolio ist ein Konzept, welches zwar schon auf diversen Universitäten weltweit praktiziert wird. Doch nach Ende der Ausbildung ist das ePortfolio-Thema erledigt. Das liegt selten an der entsprechenden Uni, vielmehr, dass der Einzelne in einem neuen Kontext tätig wird – beruflich, oder auf einer anderen Uni. An diesen Orten ist die wahrscheinlich groß, dass ich wiederum neue, individuelle Werkzeuge präsentiert bekomme, mit denen ich meine Weiterbildung organisieren kann. Ein lebensbegleitendes, systematisch aufgebautes ePortfolio gibt es dann nicht, sondern nur mehr Fragmente, bestenfalls. Ein Netzwerk von Hybridbibliotheken könnte diese technische Struktur bereitstellen, über das entsprechende Image („neutral“, vertrauenswürdig) verfügen und zudem als integraler Bestandteil der Wissenswertschöpfung (Phase der Wissensgenerierung, Planung von Zielen, Publikation) eine zentrale Rolle einnehmen. Damit würden die Hybridbibliotheken zum Mittelpunkt der lebensbegleitenden Bildung werden – technisch, inhaltlich wie auch in ihrem Rollenverständnis.

Und nun zu Ihnen: Was halten Sie von diesem Szenario: denkbar, unvorstellbar, unter umständen realisierbar?

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