Die Star-Alliance der Hybridbibliotheken – Teil 4
Posted on | April 14, 2010 | 2 Comments
[der dritte Teil der Serie ist hier nachzulesen...]
4. Ziele und Strategien einer Hybridbibliothek
Wir haben eine Hybridbibliothek definiert als eine Institution / Dienst, welcher nicht nur den Zugang zu elektronischen Ressourcen oder die Kombination von Webquellen und Bibliotheksquellen anbietet, sondern alle Arten von Informationen unter einem / mehreren Interfaces zur Verfügung stellt. Daraus lassen sich die Elemente einer Hybridbibliothek ableiten:
- Elektronischer Zugang zu konventionellen und elektronischen Informationsquellen
- Zugänglichkeit ist DAS Kriterium, nicht Besitz! Stichwort: globale Daten
- Auswahl, Ordnung und Auffindbarkeit müssen auf das elektronische Medium angepasst sein, gleichzeitig die Bibliothek als Ort nicht vernachlässigt
- Nutzer sind nicht gleich Nutzer: Nutzergruppen sind sehr heterogen, und dies muss beim Zugang, beim Interface und den Funktionen berücksichtigt werden
Das strategische Ziel von Hybridbibliotheken muss es sein, wieder in den Mittelpunkt des Wissenskreislaufs zu rücken und dort quasi in der Vertikalen Positionen einzunehmen, die ihr die Zukunft sichern werden:
- „Content is king“ – und den hat die Bibliothek mehr als genug
- Wissenschaftsbibliotheken sitzen meist an den Quellen akademischer Wissensproduktion
- Hybridbibliotheken haben in aller Regel ein direktes Vertriebsnetz zu ihren Kunden
Im „Mittelpunkt des Wissenskreislaufs“ zu stehen heißt, Hybridbibliotheken brauchen Andockstellen, die wie selbstverständlich „angelaufen“ werden, wenn es um Beschaffung, Retrieval oder Verarbeitung von Information geht. Ich spreche hier von
- Erweiterung der Zugangsmöglichkeit zum Content und den Services einer Bibliothek: remote, mobil, Volltext
- Personalisierung der Nutzung: Möglichkeit der Gestaltung individueller Portale mit Quellen, Feeds und Community zum Austausch mit der Bibliothek und zwischen den Nutzern
- Übertragung von Inhalten auf andere Hardware, Bearbeitung mit Werkzeugen der Bibliothek / der Nutzer
In der Regel wird ein Nutzer es vermeiden, ein x-tes persönliches Portal einzurichten. Das sollten Bibliotheken berücksichtigen und folglich über entsprechende Standardschnittstellen bzw. Apps verfügen, die es den Nutzern erlauben, Funktionen von Hybridbibliotheken in die bereits verwendeten persönlichen Portale zu integrieren. Im Unterschied zu anderen Informationsprovidern wie Communities, Feeds, Suchmaschinen etc. soll die Hybridbibliothek aber Applikationen anbieten, die über den Zugang zu und Recherche von Informationen hinausgeht. Sie sollte sich als Zentrale der Wissenswertschöpfung aufstellen. Dazu gehören folgende Aspekte:
- Transformation: Syndizierung von heterogenen Quellen und Übertragung in ein gemeinsames Format
- Zusammenfassung der Suche: Suchfunktionen für diesen individuell zusammengeführten Content
- Aufbereitung: Annotationsmöglichkeit zu den einzelnen Informationseinheiten
- Verarbeitung: Bereitstellung einer Arbeits-Oberfläche für Wissenschaftler und andere Zielgruppen, welche der Text- und Medienerstellung dienen.
- Individuelle Ordnung: Zuordnung von Inhalten zu einer individuell erstellten Topic-Map, welche eigene Dokumente, Kontakte, Events, Seminare, etc inkludiertVernetzung des Nutzerwissens: persönliche Verweise in Dokumenten in Form von Links
- Distribution: Publikation eigener Schriften, mit der Möglichkeit der Bewertung durch Peers und Experten (Fach-Community)

Diese Funktionen und sicherlich noch eine Menge mehr sollten es dem Nutzer ermöglichen, ohne Medienbruch den vollständigen Prozess von der Beschaffung über die Produktion bis zur Publikation zu durchlaufen. Dem Nutzer ist es egal, wer diese Dienste anbietet. Wichtig ist, dass Effizienz (Zeit, Kosten), Sicherheit (Datenverlust, Datenschutz, 24/7-Verfügbarkeit) und Effektivität (Zugänglichkeit, Output, Vertrieb) in höchstem Maße unterstützt wird. Der Nutzer wird sich jene Systeme auswählen, die ihn dabei am besten unterstützen. Noch gibt es keine am Markt erhältlichen Systeme / Modelle, die eine gesamthafte Wissensproduktion abbilden und unterstützen können. Die Frage ist also, wie kann eine Hybridbibliothek diese strategisch exzellente Position einnehmen?
Letzter Teil (5): am 21.4.2010, hier im MBI-Blog
Tags: Geschäftsmodelle > Hybridbibliothek > trends
Comments
2 Responses to “Die Star-Alliance der Hybridbibliotheken – Teil 4”
Leave a Reply





April 14th, 2010 @ 8:48 am
[...] In der näheren Zukunft werden neue Hardwareschnittstellen zum Web, natürlichsprachliche Suchmechanismen und die digitale Zusammenarbeit unser Leben bestimmen. In dieser Hinsicht sind Entwicklungen wie Primo, Digitalisierung des Altbestandes, die Öffnung der Lesesäle zwar eine erfreuliche Entwicklung, aber letztlich nur der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein. Beeinflusst damit die Bibliothek die Art und Weise, wie Menschen mit Technik umgehen, oder läuft sie der Technik nach, weil ihre Nutzer diese schon seit Jahren selbst-verständlich anwenden und als solche erwarten? Teil 4: am 14.4.2010, hier im MBI-Blog [...]
April 21st, 2010 @ 6:18 am
[...] [Lesen Sie hier Teil 4 der Serie...] [...]