Google Buzz: nächste Runde in der Rivalität zu Facebook
Posted on | March 3, 2010 | No Comments
Die Dienste Twitter und Facebook sind eine der populärsten, und am stärksten wachsenden Dienste des letzten Jahres. Nicht nur bei uns löst die erstaunliche Anzahl registrierter User Verwunderung aus, sondern auch bei Google. In der Tat sieht Google sein Geschäftsmodell (viele Nutzer, viele Werbeeinnahmen) mittelfristig bedroht, dass User abwandern könnten. Und da hat Google nicht Unrecht: die Suche von Inhalten gerät langsam zu einem Nebenthema.

Nun, so dramatisch ist es für Google noch nicht, aber die Vorboten einer solchen Entwicklung sind schon zu erkennen. Content wird nicht mehr gesucht, es findet uns. In sozialen Netzwerken werden wir von unserer sozialen Umgebung angestoßen, was wir wann und wo als Content an uns heranlassen. Die gezielte Recherche wird seltener genutzt, und wenn, dann ist da auch noch die Real-Time-Suche, über die Google selbst nur ansatzweise verfügt. Und wenn es Real-Time Ergebnisse einspielt, dann als Kunde anderer Dienste wie Twitter.
Die Antwort von Google hat nicht lange warten lassen. Nachdem Orkut als soziales Netzwerk in Nordamerika, Asien und Europa keine nennenswerte Facebook-Konkurrenz darstellt, probiert es Google mit Google Buzz. Google Buzz ist dabei ein Verschnitt aus Facebook und Twitter, platziert auf die recht beliebte Google Mail Plattform. Hier ein kurzes Video dazu:
Die Einbindung in Google Mail scheint vernünftig und für die Ausweitung der Reichweite des Dienstes (GMail wie Google Buzz) hervorragend geeignet: die in GMail enthaltenen Kontakte können gleich als Basis des eigenen Google Buzz Kontaktnetzes genutzt werden, und auch die Kommunikation kann über den Erhalt von Benachrichtigungsmails leichter / schneller geführt werden. Allerdings haben wir hier die erste Falle: ein Dienst, der theoretisch private, vertrauliche eMails (GMail) mit öffentlichen ‘Tweets’ von Google Buzz in einen Dienst packt. Das kann bei Bedienungsfehlern oder Google Problemen schnell zu ungewollten Datenlecks mutieren.
Mehrere Funktionen erinnern an Facebook: der Import von Content in das Netzwerk (z.B. von Flickr, Twitter etc.), Updates in Echtzeit, Anzeige von Mini-Fotos bei Bildergalerien oder Links auf Webseiten, und auch die Möglichkeit, über das Mobiltelefon Kurznachrichten zu posten. Interessant ist jedenfalls, dass man Inhalte vieler Dienste importieren kann, die Interaktion mit diesen über Google Buzz aber sehr limitiert ist. Auch ist Facebook total ausgeklammert, eine bewußte Entscheidung: Content würde wohl noch mehr über Facebook erstellt, die Benachrichtigung dann eventuell auch über Google Buzz laufen. Diese Rolle möchte Google aber nicht haben, weil es nicht dann nicht über die Daten verfügt, die für Facebook das A und O des Geschäftsmodells (Werbung) bedeuten.
Mit diesem Schritt der Nicht-Integration von Facebook kann Google Buzz nur verlieren. Ich wüßte nicht, warum User in ein weiteres, paralleles Netzwerk investieren sollten. Das macht keinen Sinn, denn die Features und vor allem der größte Teil des eigenen Bekanntenkreises ist schon in Facebook aktiv und verbunden. Andersrum wird Facebook wohl versuchen, seine Dienst-Palette auszuweiten und Google dort zu stören, wo es weh tut: Web-Dienste wie Office-Anwendungen, Social Media (Fotos, Videos, …), eMail, …. ein interessantes Jahr 2010 steht an!
Tags: facebook > google > social network > twitter
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