Die Star-Alliance der Hybridbibliotheken – Teil 2
Posted on | March 31, 2010 | 2 Comments
[Erster Teil der Serie hier...]
2. Status quo oder woran krankt das Hybridbibliothekskonzept?
Das Konzept der Hybridbibliothek weckt Hoffnungen und Erwartungen, die Vorteile des klassischen und der elektronischen Bibliothek zu vereinen:
- Zeitgleicher, sicherer und allgegenwärtiger Zugriff auf Informationsbestände
- Geringe Infrastrukturkosten bei gleichzeitig fast unbegrenztem Speicherplatz
- Effizienterer Einsatz verfügbaren Ressourcen
- Einbindung von und Kommunikation mit LeserInnen
- Hohe Erschließungsqualität und präzise Retrievalmöglichkeiten
Die Erwartungen an die Hybridbibliothek liegen also vor allem im Service, in der Wirtschaftlichkeit, im Zugang und Angebot. Besonders wichtig ist die Hybridbibliothek allerdings auch für die Zukunftsfähigkeit des Konzepts der Bibliothek (Sühl-Strohmenger, 2007): Was kann / will die Bibliothek im Hinblick auf alternative Informationsprovider sein? Sühl-Strohmenger nennt u.a. folgende Erwartungshaltungen von Forschenden und Studierenden:
Wissenschaftler:
- direkter Link vom Nachweis zum Volltext
- gedruckte und elektronische Quellen am Arbeitsplatz, strukturierte Fachinfo
- personalisierte Dienste, One-stop-shop
- wichtigste Informationsquellen: Fachmagazine, Suchmaschinen, Bibliographien
- integrierte Recherche über Wissensgebiete und Vernetzung der Information
Studierende:
- Was wird am stärksten genutzt: Fachzeitschriften, Fachbücher, OPAC, Internet, Recherche, Lesesäle, Ausleihe
- Was wird am stärksten gefragt: Ausbau der elektronischen Recherche, beschleunigte Dokumentlieferung, mehr Informationsmarketing
Wie sieht dazu die Realität in Hybridbibliotheken aus? Die Unzufriedenheit mit Bibliotheks-angeboten (oder sagen wir: der vermehrte Gebrauch anderer Informationsprovider) basiert großteils auf folgenden Ursachen:
- Die Informations- und Datenbestände sind limitiert: kaum eine Bibliothek hat genug Ressourcen, um für „alle“ die entsprechende Informationsversorgung sicherzustellen.
- Die Vernetzung digitaler Information bedarf einer entsprechend homogenen Erschließung auf Metadaten-Ebene. Die Methoden (manuell erstelltes Verzeichnis, Spider-Technologie, bibliothekarische Erschließung) bieten gleichzeitig Vor- und Nachteile (Genauigkeit versus Quantität), so dass ein exaktes wie themen-übergreifendes Retrieval nur punktuell gelingt.
- Der Durchgriff auf den Volltext hängt stark von den jeweiligen Lizenzen und der angebotenen Technik ab. Die Bestellung nicht online verfügbarer Ressourcen ist zwar möglich, wird aber von vielen Kunden als allerletzte Möglichkeit in Betracht gezogen.
- Retrieval-Systeme werden als Abfragemasken wahrgenommen, nicht aber als persönliche Arbeitsoberfläche im Umgang mit Information. Dadurch möchten Nutzer Information auf Datenträger (USB-Stick, Notebook, CD-ROM), die ihrer Kontrolle unterliegen, ziehen, um die gewonnen Informationen auf eigenen Plattformen und mit individueller Software weiter bearbeiten zu können. Hier kommt es zu weiteren Konflikten mit Lizenzen und DRM.
- Die Hybridbibliothek hat sich einen Platz im akademischen Kontext im Bereich der Wissensproduktion gesichert, allerdings einzig als ein Input-Lieferant der Ressource „Information“. Alle anderen Prozesse der Wertschöpfungskette „Wissenschaft“ gehen mittlerweile gänzlich an der Hybridbibliothek vorbei. Eine Ausnahme bildet hier die Verfügbarmachung von akademischen Publikationen aus dem eigenen Haus, was einer verteilenden Funktion gleichkommt.
Im nächsten Abschnitt geht es um technische Entwicklungen, die sich im Kontext der Hybridbibliothek abspielen. Dies dient der Überleitung zum vorletzten Kapitel: Ziele und Strategien zukünftiger Hybridbibliotheken.
Teil 3: am 7.4.2010, hier im MBI-Blog
Tags: Geschäftsmodelle > Hybridbibliothek > trends
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2 Responses to “Die Star-Alliance der Hybridbibliotheken – Teil 2”
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March 31st, 2010 @ 2:47 pm
[...] Teil 2: am 31.3.2010, hier im MBI-Blog [...]
April 7th, 2010 @ 6:10 am
[...] [Zweiter Teil der Serie ist hier nachzulesen...] [...]