Web-Verzeichnisse: obsolete Dienste?
Im Rahmen einer interessanten Lehrveranstaltung an der neu-eröffneten UB Innsbruck zum Thema “Web-Rercherche” kamen wieder einmal die Fragen zum Sinn und Unsinn von Web-Verzeichnissen (Directories) zur Sprache. Klassische Beispiele wie das Open Directory Project oder das Yahoo! Directory sind heute nurmehr wenig im Gebrauch, wenn sie überhaupt noch bekannt sind. Gründe sind vorwiegend der im Bezug auf Suchmaschinen relativ kleine “Einzugsbereich” von Treffern (also die Datenbasis), der um Monate veraltete Datenbestand als auch die recht komplexe, umständliche Navigation in Verzeichnisbäumen zu sehen.
Verzeichnisse spielen derzeit vor allem in der Optimierung von Suchmaschinenergebnissen eine Rolle - ein Treffer kann thematisch auf Basis von Verzeichnissen leichter einem Thema zugeordnet werden und so die Qualität der Trefferausgabe gesteigert werden (Relevanz).
Für den individuellen, manuellen Gebrauch von Web-Verzeichnissen sprechen dennoch einige Argumente. Der Wichtigste dürfte in der Gewinnung von Fachbegriffen dienen, die in einer zweiten Stufe gezielt mit Suchmaschinen “bearbeitet” werden können. Oftmals fehlen uns “die richtigen Worte”, um die Suchmaschine passend ansprechen zu können. Hier können Verzeichnisse wertvolle Hilfe leisten, denn auf einschlägigen Seiten (auch wenn es nur 1-5 Seiten im Sub-Verzeichnis sind) tauchen diese mit Bestimmtheit auf. Weitere Vorteile von Verzeichnissen liegen auch in
- ihrer Funktion als Sprungbrett zu anderen, höchst relevanten Webseiten,
- der Sicherheit vor Spam-Seiten,
- der Konzetration auf wenige, wichtige Seiten (Reduzierung).
Eine Mischung aus Volltext und Verzeichnis stellt auch das in wissenschaftlich-universitär Kreisen kontroversiell behandelte Wikipedia dar. Es liefert nicht nur die oben erwähnten Fachtermini, sondern fungiert für mich auch als äußerst effizientes Werkzeug zur Translation von Fachbegriffen zwischen Deutsch, Englisch, Französisch und Spanisch. Habe ich eine Wikiseite zu einem Fachbegriff, so existieren diese meist auch in den oben erwähnten anderen Sprachen. Man klickt einfach auf den entsprechenden Sprachversionslink, und schon hat man die korrekten Fachbegriffe. In Leo & Co ist das oft nicht einfach, da die Begriffe isoliert ausgegeben werden. In Wikipedia ist das relativ klar und innerhalb eines Textkörpers definiert.
Apropos Universitätsbibliothek Innsbruck: der neue, große Raum macht sich gut. Trotz der optisch niedrigen Decke bietet der Raum Platz für’s Lesen, Studieren, Recherchieren oder einfach auf Sofas abhängen. Die Atmosphäre kommt der auf englischen Universitätsbibliotheken sehr nahe und ist eine Art Treffpunkt für StudentInnen geworden. Ein dickes Lob für die Gestaltung einer lebendigen Bibliothek!





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