Infobroking vor 10 Jahren und heute
Posted on | April 28, 2009 | 1 Comment
Erinnern Sie sich noch an den Begriff ‘Infobroking’, welcher in den späten 90ern und den ersten Jahren des frühen 21. Jahrhunderts kursierte, und zwar in seiner Bedeutung als einer der Zukunftsjobs? Heute ist es ein wenig stiller geworden um dieses Berufsfeld, wie wohl bei jeder Medienhype.

Im Rahmen einer interessanten Lehrveranstaltung am Lehrgang für Informationsberufe an der FH Burgenland ging es genau um dieses Fachgebiet: Informationsbroking, Recherche und Berufsbilder. Die Bezeichnung ‘Infobroker’ ist ja nicht geschützt, jede/r kann sich so nennen. Interessanterweise finden sich im Web aber gar nicht mal so viele im deutschsprachigen Raum, die das auch tun. Woran liegt das?
Ich habe mit ein paar Bekannten und KollegInnen aus diesem Bereich gesprochen, und unsere Einschätzung ist, dass Informationbroking ein ‘hartes’ Geschäft ist. Aufträge akquirieren, diese bearbeiten und dokumentieren, ist sehr zeitaufwändig und kann so nicht 1:1 an die Kunden weitergegeben werden, da sich diese die Preise nicht leisten könnten. Das schränkt das Feld potentieller Kunden schon mal stark ein. Hier tritt schon mal die eine oder andere Bibliothek als Konkurrent dieser Infobroker auf, indem sie selbst diese Dienstleistungen meist um einen Bruchteil der Kosten anbieten.
Was sich oft bei Infobrokern findet, ist die Mischung verschiedener Aufgabengebiete: angeboten werden nicht nur Informationsrecherche, sondern eine ganze Palette an anderen Dienstleistungen, die nur bedingt etwas mit Infobroking zu tun haben. ‘Mehrere Standbeine’ lautet hier die Überlebensstrategie. Wie beim Nebenerwerbsbauern muss der ‘gewöhnliche’ Infobroker auf mehreren Hochzeiten tanzen, um sich finanziell über Wasser zu halten. Eine andere Strategie ist die Bildung von Infobroker-Teams, die sich gewisse Fixkosten (Datenbankzugänge etc.) und Know-How (Spezialgebiete bei der Recherche) teilen können. Ich bin mir nicht sicher, ob ich meine StudentInnen von diesem Berufsfeld überzeugen konnte, aber wie auch immer der Gegenstand dieser Tätigkeit in Zukunft genannt wird, Informationsrecherche als professionelle Tätigkeit ist definitiv eine Kompetenz, die wichtiger denn je ist.
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One Response to “Infobroking vor 10 Jahren und heute”
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October 30th, 2009 @ 12:36 pm
Das stimmt – als der Begriff in den Anfängen stand, glaubten viele zudem, sie könnten allein mit Suchmaschinen und ohne Spezialkenntnisse etwas werden.
Wenn es nicht so viele erklärte Infobroker gibt wie Recherchedienstleistungen erbracht werden, dann sicher auch deshalb, weil reine Informationsdienstleistungen als solche kaum nachgefragt werden. Abgesehen von Marktforschung, die auf einem ganz anderen Blatt steht als Informationsrecherchen am Computer, wird nach meiner Erfahrung die Information/das Wissen verlangt, nicht aber die Dienstleistung der Recherche. Vielleicht ist mein Blick durch die Fokussierung auf Naturwissenschaft (genauer gesagt Chemie) etwas einseitig, aber in den zehn Jahren, in denen ich nun schon freiberuflich tätig bin, erhielt ich anfragen, weil ich mich als Experte darstelle, nicht als Informationsvermittler.