Kindo und MyHeritage in einem - Interview

Kindo, ein Dienst aus dem Bereich Social Network und Genealogie, hat vor wenigen Wochen die Fusion mit MyHeritage, einem ähnlich gelagerten Dienst, bekannt gegeben. Grund genug, Sprecher und Aushängeschild von Kindo, Mario Ruckh, ein wenig zu befragen.

MB: Wie kommt man darauf, einen Webdienst wie Kindo zu gründen, zu realisieren und so eine Firma auf die Beine zu stellen? Unternehmergeist? Satt konventionelle Karrierewege zu gehen? Oder einfach pures Glück mit Idee, Geld und Leuten?
Mario Ruckh: Wir waren eine Gruppe Ausländer in London und Nils und Gareth, zwei der Gründer, hatten vorher in Firmen gearbeitet bei denen es drum ging Leute zusammenzubringen, wie Skype. Also war die Idee eine Dienstleistung zu bauen, die Familien hilft miteinander in Kontakt zu bleiben. Wo man mitbekommen kann was die anderen grad so machen, auch wenn man nicht in der gleichen Stadt oder dem gleichen Land wohnt.
Und ja, es war eine Gruppe von guten Leuten, es war von Anfang an Kontakt zu Business Angels und eine ähnliche Idee hatte in den USA kurz zuvor erfolgreich funktioniert.

MB: Kannst du mal einen Überblick geben, wie sich Kindo seit den Anfängen entwickelt hat, welche wichtigen Phasen ihr als Unternehmen durchgemacht habt und was letztlich den Anstoß gab, die Firma wieder zu verkaufen?
Mario Ruckh: Die Gründungsphase seit April 2007 hab ich nur indirekt mitbekommen, als ich im Juni 2007 dazugestoßen bin, waren wir in den ersten Schritten eines Prototyps der Seite; Design und Funktionalitäten waren noch erst ganz am Anfang. Aber wir haben angefangen ein Marketing-Team aufzubauen, mit dessen Hilfe wir auch die Übersetzung in 6 verschiedene Sprache zu Beginn bewerkstelligt haben. Wir hatten eine Phase der “private beta” also einer rudimentären aber überwiegend funktionalen Version und im Oktober ging die Seite live was die nächste Phase einläutete. Nach gutem Wachstum der Seite haben wir im Februar 2008 eine neue Finanzierungsrunde bekanntgegeben. Seit diesem Sommer haben wir dann über die langfristig Zukunft nachgedacht. Die Hauptfragestellung für uns war dabei: Wie können wir möglichst schnell den besten Webdienst für Familien erschaffen? Und der Weg mit MyHeritage zusammen erschien uns da als einer der aussichtsreichsten. Nils’ Gedanken dazu gibts auch hier.

MB: Kannst du mit einigen wenigen Sätzen unseren LeserInnen erklären, worin der Mehrwert von Kindo liegt? Kürzlich hatte ich eine Veranstaltung vor einem etwas älteren Publikum, und einige meinten, diese Dienste, in denen man sich öffentlich darstellt, sind eine “arge Form des Exhibitionismus”.
Mario Ruckh: MyHeritage ist eine großartige Möglichkeit mit seiner Familie in Kontakt zu bleiben, eine Art studiVZ für Familien. Man kann Fotos austauschen, sehen was die anderen so machen und natürlich auch kollaborativ Ahnenforschung betreiben.
Übrigens: Anders als bei anderen Seiten ist Kindo komplett privat. Keines der Nutzerprofile oder Fotos ist öffentlich zugänglich oder über Suchmaschinen auffindbar. Bei MyHeritage kann man die Rechte detailliert festlegen, wer möchte kann seinen Stammbaum für andere Forscher verfügbar machen, aber genauso leicht kann man alles nur im Kreis der engen Familien halten (die Standardeinstellung für alle Kindo-Nutzer die zu MyHeritage umziehen).

MB: Wie hat sich das Team, welches bei der Entwicklung von Kindo dabei war, gefunden?
Mario Ruckh: Das Ursprungsteam hat sich über Internet-Veranstaltungen in London kennengelernt. Ich bin verantwortlich für unser Team von inzwischen mehr als 10 Marketing Mitarbeiten für unsere Kernmärkte. Wir arbeiten da viel mit den Top-Universitäten in London zusammen. International haben wir inzwischen ein Netzwerk von Freunden, Bloggern und Leuten an Unis, die uns helfen den richtigen Nachwuchs zu finden.

MB: Was sind deine nächsten Pläne? Wirst du mit Kindo zu MyHeritage gehen und dort mitarbeiten oder ein neues, eigenes Ding drehen?
Mario Ruckh: Wie erwähnt werden wir Teil von MyHeritage. Zusammen haben wir rund 26 Millionen Nutzer, also so groß wie LinkedIn oder rund doppelt so groß wie StudiVZ und XING zusammen. Also eine großartige Ausgangsposition um die beste Familienseite im Netz zu werden! Natürlich ist Unternehmertum für mich superspannend und ich werd garantiert noch die ein oder andere Firma im Lauf meines Lebens gründen ;-)

MB: Was passiert mit Kindo unter MyHeritage? Wie werden die User-Daten, die ja teilweise sehr umfangreich sind, übernommen oder bleibt Kindo ein relativ eigenstädinges Service innerhalb von MyHeritage?
Mario Ruckh: Die Informationen die Nutzer bei Kindo eingegeben haben können fast 1 zu 1 zu MyHeritage übernommen werden. Die Stammbaumfunktion von MyHeritage ist relativ ähnlich und dazu kommen zahlreiche neue interessante Funktionen wie die Fotosammlung mit Gesichtserkennung oder sehr umfangreiche Werkzeuge für Ahnenforschung.
Kindo bleibt für unsere bisherigen Nutzer erstmal zugänglich, mittelfristig konzentrieren wir uns aber darauf die MyHeritage Plattform zu perfektionieren.

MB: Das Thema Genealogie ist im Web ein sehr dynamisches. Kindo, MyHeritage sind ja nur zwei Facetten, daneben gibt es zentrale Datenbanken, DNS-Analyse-Tools und Social Software wie Ning, die eine Art Familienzusammenführung erlaubt. Wie siehst du die Trends in diesem Bereich und wohin geht deiner Meinung nach die Reise?
Mario Ruckh: Wir verfolgen natürlich alle dieser Trends sehr genau. Ohne zu sehr auf die Funktionen einzugehen an denen wir momentan arbeiten, ist meine grundsätzliche Überzeugung, dass neben den Freundesnetzwerken wie MySpace, Facebook oder StudiVZ und den Geschäftsnetzwerken wie LinkedIN oder XING sich ein dritter Markt für Familiennetzwerke etablieren wird. Mit MyHeritage sind wir da inzwischen der größte Anbieter und wachsen schneller als unserer deutscher und amerikanischer Konkurrent zusammen.
Ein sehr wichtiges Thema ist Fotomanagement, auch Google’s Picasa hat sich in den letzten Wochen in diese Richtung entwickelt. Insbesondere um auch ältere Leute von den Vorteilen von Online-Fotoalben überzeugen zu können sind unterstützende Mittel wie Gesichtserkennung unerlässlich. Bei MyHeritage kann man seine ganze Sammlung halbautomatisch “taggen” lassen, also die Fotos mit den Namen der Personen beschriften, die drauf sind. Das macht nicht nur Spaß, sondern geht schnell und ermöglicht völlig neue Arten Fotos anzuschauen, nämlich nach den Menschen die einem am wichtigsten sind. Mehr dazu gibt’s zum Beispiel hier.

MB: Vielen Dank für das Interview und viel Erfolg für eure weiteren Pläne!

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