INNfobroker: BibliothekarInnen auf dem Weg in die Selbständigkeit

Heute möchte ich ein sehr interessantes Projekt vorstellen, welches sich aus dem Lehrgang “MSc Library and Information Studies” an der Universitätsbibliothek Innsbruck entwickelt hat. Zunächst als Projektarbeit anvisiert, erarbeiteten Sabine Schmidt, Susanne Kirchmair und Benedikt Feldkircher zusammen mit ihrem Betreuer ein Konzept, welches auch nach der Projektphase weiter Bestand haben sollte: Info-Broker im Raum Tirol und darüber hinaus. Ich habe die drei Neo-UnternehmerInnen zu einem kurzen Interview gebeten.

Mark Buzinkay: Ihr absolviert gerade den Uni-Lehrgang “MSc Library and Information Studies” an den Unis Innsbruck und Wien. Was hat euch bewogen, diesen doch Zeit-intensiven Bildungsweg einzuschlagen?

Sabine Schmidt: Ich bin seit einigen Jahren Mitarbeiterin bei mehreren Projekten, die sich mit der Bestandserfassung verschiedener Bibliotheken befassen. Zu Beginn meiner Mitarbeit wurde ich eingeschult - in Katalogisierungsregeln (RakWb), Beschlagwortungsregeln, verschiedene Notations- und Aufstellungssysteme - aber eben immer nur projetkbezogen und spezifisch. Daher wollte ich eine umfassende Ausbildung im Bereich Bibliothekswesen absolvieren. Und das ich bereits ein abgeschlossenes Studium habe, bot sich der Masterlehrgang in Innsbruck an. Ein weiterer wichtiger Beweggrund war auch die Legitimation: jetzt kann ich mich wirklich Bibliothekarin nennen und bei Bewerbungen ein Zeugnis vorweisen.

Susanne Kirchmair: Ich arbeite schon seit einigen Jahren in der Fakultätsbibliothek der Sozial- und Wirtschaftswissenschaften der Universität Innsbruck und mußte neben meinen praktischen Fähigkeiten daher zumindest eine grundlegende bibliothekarische Ausbildung vorweisen. Der Lehrgang gibt mir den theoretischen Hintergrund für meine tägliche Arbeit und auch den Qualifikationsnachweis, um in diesem beruflichen Umfeld voranzukommen. Ich habe viele neue Erkenntnisse im diesem Bereich gewonnen, v.a., daß sich die Arbeit im bibliothekarischen Bereich wesentlich vielfältiger gestalten läßt, als man es vermutet!

Benedikt Feldkircher: Ich arbeite seit dem erfolgreichen Abschluss meines Studiums der Geschichte und Politikwissenschaften als Betreuer in verschieden Sozialeinrichtungen. Nach einigen Jahren in diesem Beruf beschloss ich mich beruflich zu verändern. Der Beruf des Bibliothekars ist nicht nur verwandt mit meinem Studium, sondern spiegelt meine Begeisterung für Bücher wider. Somit entschloss ich mich, diese Ausbildung zu absolvieren.

Mark Buzinkay: Kommen wir nun zu eurer Dienstleistung ‘Innfobroker’. Könnt ihr ein wenig beschreiben, um was es da geht, was euch wichtig ist? Was sind eure konkreten Leistungen und welche sind eure Recherchegebiete?

Sabine Schmidt: In einem Satz gesagt: wir suchen und beschaffen Information, bewerten sie und bereiten sie Kunden-gerecht auf. D.h, wir nehmen unseren Kunden die Arbeit ab, sich durch die Unmengen an verfügbaren Informationen zu wühlen, um genau das herauszufinden, was sie gerade interessiert. Unser Vorteil dabei ist, dass wir aufgrund unserer Ausbildung und Berufserfahrung schon Recherchestrategien entwickelt haben - also in vielen Fällen genau wissen, wo und vor allem wie wir suchen müssen. Daher ist unsere Suche sicher weniger zeitaufwendig als die eines “ungeübten Suchers”. Unsere Kunden können ihre Zeit also wichtigeren Dingen widmen und die Recherchen sozusagen outsourcen. Allerdings bieten wir nicht nur Recherchen an, sondern auch auf die jeweiligen Bedürfnisse zugeschnittene Schulungen und Workshops, in denen es darum geht, Informationskompetenz zu vermitteln.Derzeit recherchieren wir auf so ziemlich allen Gebieten, die gefragt werden. Selbstverständlich hat jeder von uns seine Präferenzen - auch schon studiumsbedingt.

Mark Buzinkay: Das Projekt entstand ja unmittelbar aus einer Projektarbeit am Uni-Lehrgang. Wie wurde die Selbständigkeit von anderen MitstudentInnen und KollegInnen gesehen?

Sabine Schmidt: Die Reaktionen und Rückmeldungen waren durchwegs positiv. Da es sich bei dem Thema ja nicht gerade um “das typische” Bibliotheks-Projekt handelt, wurde das Innovative, die Idee, einen neuen Ansatz in die herkömmliche bibliothekarische Arbeit zu bringen begrüsst.

Susanne Kirchmair: Ja, auch ich habe vom näheren Umfeld ausschließlich positive Rückmeldungen erhalten - der Mut und die Initiative, unsere Fähigkeiten und Kenntnisse aktiv anzubieten und auch “etwas Neues” zu machen, wurde von allen Seiten begrüßt. Auch jetzt noch sprechen mich Kollegen, mit denen ich beruflich nur selten Kontakt habe, auf die Präsentation im Rahmen des Lehrgangs an und erkundigen sich, wie es nun mit unserer Selbständigkeit läuft. Wir haben offensichtlich Eindruck hinterlassen und uns mit unserem Projekt von der Masse abgehoben.

Benedikt Feldkircher: Wie schon meine zwei Kolleginnen schrieben, waren die Rückmeldungen hauptsächlich positiv. Manchmal ein wenig mit Skepsis gegenüber “dem Neuen”, aber sonst wurde es mit Begeisterung aufgenommen.

Mark Buzinkay: Ihr wollt ja mit Frühjahr 2008 so richtig durchstarten. Was erwartet ihr euch vom 1. Geschäftsjahr?

Susanne Kirchmair: Oberstes Ziel dieses Jahr ist es, unseren Dienst bekannt zu machen, einen eigenen Kundenstock aufzubauen und natürlich Erfahrungen zu sammeln. Wir haben ja schon in der Projektphase Aufträge erledigt, die uns unser Projektbetreuer vermittelt hat. Jetzt geht es also in erster Linie um Kundenakquisition und auch darum herauszufinden, ob wir uns auf bestimmte Bereiche beschränken wollen.
Im Bereich der Schulungen möchten wir gerne Grundsteine für längerfristige Zusammenarbeiten legen. Hier werden wir auch Schulungskonzepte und Workshops entwickeln, die wir potentiellen Kunden aktiv anbieten können.
Mark Buzinkay: Und nun eine organisatorische Frage. Ihr seid ja drei Infobroker mit drei Standorten. Wie wird die Arbeit aufgeteilt, wie wird sie organisiert, und wer ist hier für die Akquisition von Aufträgen verantwortlich? Gibt es so etwas wie eine funktionelle Arbeitsteilung?

Sabine Schmidt: Da wir räumlich getrennt sind, haben wir uns dafür entschieden, unser Büro ins Internet zu verlegen. So hat jeder von uns von überall her und jederzeit Zugriff. Anstatt “realer” Treffen und Besprechungen nutzen wir verschiedene Online-Tools, die wir z.T. in deinem Surfcamp kennengelernt haben.
Die Aufgaben sind nicht a priori verteilt - eigentlich ist jeder für alles zuständig. Die Arbeitsteilung ist projektbezogen, d.h. bei der Besprechung eines neuen Auftrages wird ausgemacht, wer welchen Teil der Recherche übernimmt, wobei hier von Vorteil ist, dass wir verschieden Studien absolviert haben und daher auch die persönlichen Interessen in verschiedenen Bereichen liegen.

Susanne Kirchmair: Diese Art der Arbeitsteilung funktioniert sehr gut - jeder kann sich mit seinen Fähigkeiten einbringen und die Aufgaben übernehmen, die ihm liegen. Die Art der “virtuellen Zusammenarbeit” z.B. mittels Skype und Chat hat sich schon während des Lehrgangs sehr bewährt und trägt auch jetzt zur reibungslosen Auftragsentwicklung bei.
Die Akquisition von Aufträgen erfolgt derzeit noch sehr individuell - ein gemeinsames und gezieltes Auftreten nach außen zur aktiven Kundengewinnung ist hier sicher ein Ziel, das wir uns für dieses Jahr gesetzt haben.

Mark Buzinkay: vielen Dank für das Interview und viel Erfolg!

Link: INNfobroker

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