Was ist Bibliothek 2.0?
Das Thema Bibliothek 2.0 wird im deutschsprachigen Raum seit ungefähr zwei Jahren intensiver debattiert. Wenige wissen oder glauben zu wissen, worum es eigentlich geht. Software? Web 2.0? Oder gar SecondLife? Mitnichten. Bibliothek 2.0 ist ein umfassendes Konzept, das eine ‘neue’ Bibliothek zum Ziel hat.
Der Erfolg von Web 2.0 hat als Abfallprodukt einen Marketing-Gag hervorgebracht - alles was neu ist, erhält den Zusatz ‘2.0′. Damit wird aber oft auch eine (technische) Nähe zu Web 2.0 suggeriert. Das ist oft nur bedingt der Fall. Auch wenn dem so ist, in den wenigsten Fällen ist die Technik die entscheidende Komponente des Konzepts.
So ist es auch in Bezug auf den Begriff ‘Bibliothek 2.0′. Dieses Konzept wurde deshalb (von verschiedenen Seiten gleichzeitig) entworfen, weil die Bibliothek in ihrer althergebrachten Form stecken geblieben ist: viele Indikatoren zeigen auf einen Negativtrend hin - die LeserInnen weichen angesichts einfacher, zugänglicherer und schnellerer Alternativen aus.
Bibliothek 2.0 ist daher primär ein Projekt, das den Kunden im Mittelpunkt hat. Es geht um die Frage: Was will der Kunde? Hier gibt es unterschiedliche Meinungen, und natürlich hängt die Antwort sehr stark von der eigenen Position der Bibliothek, ihres Umfelds und ihrer Zielsetzungen ab. Sie merken, wir sind voll im Bereich des Bibliotheksmarketings.

Was also ein erster wichtiger Schritt in Richtung Bibliothek 2.0 ist, nämlich die Frage nach den Kundenbedürfnissen, muss von einem weiterem Schritt nachvollzogen werden: von den internen Bibliotheksprozessen. Beides ist für privat-wirtschaftlich (und profit-orientierte) Unternehmen eine Selbstverständlichkeit. Bibliotheken und Institutionen aus dem NPO-Bereich müssen das aber noch lernen.
Was die Bibliotheksprozesse betrifft, so gilt auch hier: der Kunde steht im Mittelpunkt. Jeder, der im Prozessmanagement tätig war, weiß: die Wertschöpfung ist nach den Bedürfnissen des Kunden auszurichten, ansonsten wird etwas produziert, was nicht nachgefragt wird.
Prozessmanagement heißt vor allem Veränderung. Wir wollen ja unsere Tätigkeit verbessern, und das geht fast immer mit Veränderungen in der Organisation oder im Ablauf daher. Das heißt, ein Kernthema beim Umbau zu einer Bibliothek 2.0 ist das Veränderungsmanagement (Change Management). Hier geht es um Offenheit und Widerstand (Siehe auch Literaturtipp “Fit for Change”).
Erst ab hier können wir mit der Technologie spielen und Web 2.0 zum Einsatz bringen. Tatsächlich bieten Web 2.0 Werkzeuge die Möglichkeit, Nutzer aktiv ‘ins Boot’ zu holen und sie partizipieren zu lassen. Egal ob beim Tagging, beim Verfassen von Rezensionen oder bei der Entwicklung von neuen Diensten. Beim Letzteren zeigt sich diese Komplementarität von Bibliothek 2.0 als Nutzer-orientiertes Konzept und Web 2.0 Tools ganz besonders.
Die Diskussionen, ab wann eine Bibliothek als eine Bibliothek 2.0 zu gelten hat, ist also weit weniger von der Technik-Seite zu führen als viel mehr von der Einstellung abhängig, die eine Bibliothek ihren Kunden entgegen bringt. Web 2.0 Toolls können Indikatoren dafür sein, Kern der Geschichte sind sie aber nicht. Ich werde versuchen, in diesem Blog und vor allem im Rahmen der Free Lessons ‘Bibliothek 2.0′ auf Idea Lounge auf die wesentlichen Punkte weiter einzugehen.
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Idea Lounge - das Potential von Web 2.0 nützen





