Die Fortsetzung von Wissensmanagement

Man erinnere sich noch an die späten 90er Jahre - Wissensmanagement war der Hype im innerbetrieblichen Zirkus der Managementphilosophien. Nun ist es ein wenig stiller geworden um Sveiby, Nonaka und Probst. Die Probleme der Praxis - Stichwort: Unternehmenskultur - und der technischen Implementierung wurde unterschätzt und als willkommener Grund für die doch letztlich erfolgte Ablehnung dieses Konzepts herangezogen. Wenige Realisierungen blieben die Aussnahme. Nun scheint doch ein Wandel einzutreten.

Wieso bin ich so zuversichtlich, dass Wissensmanagement ein Rivival bevorsteht? Sie haben es erraten, es hat etwas mit dem Web 2.0 zu tun. Web 2.0 steht in enger Verbindung zum Konzept der Community und der gemeinschaftlichen Intelligenz. Das Prinzip des Teilens von Wissen und Information scheint hier ganz selbstverständlich zu sein, während dies beim innerbetrieblichen Wissensmanagement als eine der Kernvoraussetzungen meist scheiterte.

Das Erfolgsgeheimnis von Web 2.0 Communities sind zweierlei: einfachste User Interfaces - meint intuitiv, nicht billig; und die Bereitschaft zu teilen, ohne etwas für sein Wissen zu verlangen. Während das erstere unmittelbar und wahrscheinlich für alle einsichtig auch in ein Unternehmen im Rahmen eines Intranets leicht zu implementieren ist, ist die Frage, ob letzteres auch im betrieblichen Rahmen möglich ist. Ich meine ja, denn die Grenzen zwischen Unternehmen, Communities of Practice im Web und anderen Organisationen werden durchlässiger, und mit ihr wandern auch Einstellungen, Werte und Handlungsnormen leichter von Gruppenumfeld zu Gruppenumfeld. Auch die jeweilige Unternehmenskultur - die eine stärker, die andere weniger - wird hier nicht unberührt bleiben. Immer mehr Menschen beteiligen sich aktiv in Communities, und das mag in einer Unternehmenskultur nicht ohne Wirkung bleiben.

Diese neue Form der Unternehmenskultur - und das ist wieder ein wenig Hype und schöne Verpackung - wird schon als Enterprise 2.0 bezeichnet. Das Unternehmen 2.0 zeichnet sich also durch eine wesentlich stärkere interne Vernetzung über Abteilungsgrenzen hinaus aus, und kooperiert im Bereich des Informationsmanagements mit dem “klassischen” Web 2.0 Werkzeug-Repertoire:

  • Social tools (blog, wiki, tagging, bookmarking, IM, etc.)
  • reichhaltige Daten-Quellen (RSS, APIs)
  • verbundene Infrastruktur (HTTP, URIs)
  • Zusammenstellung und Abo von Informationsobjekten (Feeds, Personen, Orte)
  • und die angeschnittene Kultur der Teilhabe (Co-Produktion, Diskussion, Zusammenarbeit)

Es hat sich einiges getan, als ich Ende der neunziger meine ersten Intranets konzipierte. Meine hären Ziele einer wissensorientierten und gemeinschaftlich arbeitenden Unternehmenskultur brachten damals nur kleine Flammen kollektiver Intelligenz hervor. Jetzt mit den Tools und den Konzepten von Web 2.0 ist es leichter verständlich, was Wissensmanagement sein kann und sein will. Dem Konzept könnte nun der Durchbruch bevorstehen.
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