Virtuelle Welten tun sich auf - nun bei Sony

Der Hype um Second Life (SL) ist kaum zu bremsen, als wäre die gesamte virtuelle Welt eins mit SL. Und nun kommt das: Sony will in den nächsten Monaten mit einer eigenen virtuellen Welt Nutzer ihrer Playstation 3 beglücken.

Bibliotheken, Informationsdienste, beinahe alle Branchen der Wirtschaft sind in Second Life mittlerweile vertreten. Es ist eine simulierte Welt, ein Rahmen, in dem “gelebt und gespielt” wird. Die Gründe, warum Institutionen aus der wirklichen Welt in Second Life präsent sind, sind vielfältig und doch klar: mehrere Millionen Spieler tummeln sich dort. Vor zwei Jahren waren es nicht mal ein Zehntel.

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Das Web und die Medien haben diesen Hype ausgelöst und Second Life zum Platzhirschen unter den virtuellen Welten gemacht. Dass dies ein Riesenmarkt der Zukunft ist, beweisen eben nicht nur die zahlreichen Firmen, die sich eine Niederlassung in SL bauen und dort auf Kundenfang gehen, sondern auch die Nebenbuhler von Linden Labs, des Betreibers und Entwicklers von Second Life.

Einer der Big 3 der Spiele-Welt, Sony, hat kürzlich bekannt gegeben, dass in wenigen Monaten eine virtuelle Welt den Playstation 3 Spielern zur Verfügung gestellt werden wird. Die ersten Bilder aus der “Sony-Virtualität” zeugen von einer sehr detailtreuen und optisch ansprechenden Gestaltung. Da wirkt Second Life sehr blaß dagegen. Aber zunächst muss Sony erstmal beweisen, dass dieses System die sicherlich hohen Anforderungen an die Rechnerkapazitäten bewältigen kann.

Noch ist nicht allzu viel bekannt über die Möglichkeiten bei Sony. Jede/r SpielerIn erhält einen Avatar, der entsprechend gestaltet und eingekleidet werden kann. Neben den Standard-Objekten gibt es auch einen Sony-Shop, wo “Millionen” von Objekten wie T-Shirts, Sandalen oder Schmuck zugekauft werden können. Inkludiert ist im (kostenlosen) Starterpaket auch eine eigene Wohnung. Möbel können ebenfalls gekauft werden wie andere gestalterische Elemente.

Home

Inwieweit sich “Home” (so die Bezeichnung für die virtuelle Welt von Sony) ähnlich dynamisch entwickeln wird wie Second Life, ist noch unentschieden. Doch eines ist klar: der Trend geht nicht nur bei Spielen in Richtung virtueller Welt. Diese Welten lassen sich sehr gut als virtuelle Konferenzräume nutzen. Sony hat angekündigt, dass nicht nur Chat, sondern auch VoIP als Kommunikationskanal verfügbar sein wird. Vor Tagen hat auch Second Life verlautbart, dass der Audio-Kanal für Gespräche zwischen Avataren voraussichtlich im 2. Quartal geöffnet werden wird.

Was heißt das für Real Life (RL, unsere wirkliche Welt)? Zunächst einmal, dass virtuelle Welten nicht mehr als pure Spielerei abgetan werden können. Hier wird sich in den nächsten Jahren sehr viel tun - auf dem Bereich der Kommunikation, der Organisation und des Marketing. Welche Auswirkungen das auf die soziale Struktur und die Verhaltensweisen der Menschen hat, ist ein Thema der Soziologen. Welche Folgen hat dies für die Arbeitswelt? Erleben wir wieder, wie “Maschinenstürmer” das Rad der Geschichte zurückdrehen möchten?

Home

Eine praktische Frage drängt sich mit dem Einstieg von Sony auf: wieviele Parallel-Welten wird es noch geben? Sony wird nicht der einzige Anbieter bleiben, der Second Life das virtuelle Territorium streitig machen will. Paradoxerweise stellt die reale Welt für diese virtuellen Welten den Nabel dar, je mehr es von ihnen gibt: Menschen können von einer virtuellen Welt in eine andere schlüpfen, in dem sie dort ihre avatarischen Klone aktivieren. Der Avatar selbst aber bleibt noch auf seine Welt beschränkt, sozusagen auf seine Insel. Wann kommt es aber zu den ersten Invasionen in andere (virtuelle) Welten? Ist das die nächste Phase der Entwicklung - die Vernetzung virtueller Welten über Spielsysteme hinaus zu einer großen Gegenwelt?

Diese Forderung wird sicherlich aufkommen. Wir sehen jetzt schon, dass in sozialen Netzwerken mehrere Identitäten notwendig sind, um in Communities präsent zu sein: manchmal bedarf es eines MySpace-Accounts, dann wieder eine Mitgliedschaft in Facebook, usw. Hier haben wir es mit einer Vervielfachung von ein und denselben Daten zu tun, mit einer riesigen Verschwendung an Erhaltungsarbeiten. Wie wollen wir aber Avatare in verschiedenen Systemen gleichzeitig steuern - hypothetisch angenommen, diese Welten sind jene Räume, in denen wir arbeiten und unsere Freizeit verbringen, und die reale Welt jene, in der wir nurmehr den Körper in Schuss halten (essen, schlafen, pflegen, - und uns reproduzieren)? Die Kosten (in lebenszeitlicher Dimension) werden für diese virtuelle Vervielfältigung immens. Ein faszinierendes Thema, das gleichzeitig neugierig macht und im selben Moment sehr erschreckt. Ist das der Beginn einer neuen Epoche, die schon vor Jahrzehnten mit der Konstruktion der ersten Universalmaschine - dem Computer - begonnen hat?
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1 Kommentar zu “Virtuelle Welten tun sich auf - nun bei Sony”

  1. MBI Blog » Blog Archive » Eine virtuelle Führung in 3D Says:

    [...] Das 3D-Web kommt, so oder so. SecondLife, schön und gut, manche mögen es, manche hassen es, und viele negieren es völlig. Wie auch immer, die Vorteile einer digitalen 3D-Welt machen den Erfolg von SecondLife & Co aus. Jetzt können Sie sehr einfach diese Vorteile nutzen - mit einer Führung durch ihre eigenen Räume, in 3D. [...]

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