Vom Leser zum Kunden - Marketing in Bibliotheken
Endlich ist es fertig: mein elektronischer Ratgeber für Bibliotheken zum Thema “Marketing”. Diese besonders für die öffentlichen Bibliotheken verfassten 50 Seiten geben einen Einblick, was Marketing ist und wie es sich anwenden läßt. Ich habe versucht, so praxisnah wie nur möglich zu sein - und die vielen Interviews, die ich geführt habe, um das Geschriebene noch plastischer zu machen, mögen dies unterstützen. Teile dieser Interviews möchte ich in Auszügen gerne in den nächsten Wochen hier wiedergeben. Zur Einstimmung - Christian Jahl von den Büchereien Wien.
Ich habe Christian Jahl zur Notwendigkeit von Marketing in Non-Profit-Organisationen befragt. Es wurde ein sehr interessantes Interview. Hier ein Auszug:
Frage: Im Leitbild der Wiener Büchereien werden die Leser ausdrücklich als Kunden „definiert“. Wie lange ist diese Kundenorientierung schon Norm?
Christian Jahl: Obwohl ich weiß, dass in der Bibliothekswelt manchmal der Begriff „Kunde“ verpönt ist, weil man gerne lieber das alte „Leserin bzw. Leser“ hätte, stehe ich dazu unsere BibliotheksbenutzerInnen als KundInnen zu sehen, die das Recht darauf haben, dass sich unser Dienstleistungsbetrieb nach ihren Wünschen richtet. Wir führen derzeit wieder eine große KundInnenbefragung durch (Sample: 1000 Fragebögen), um die Zufriedenheit der KundInnen mit Medienangeboten, Services und Öffnungszeiten zu ergründen.
Es stimmt, wir hatten nicht immer diese Einstellung. Mit der neuen Leitung der Büchereien Wien durch Alfred Pfoser kam frischer Wind in den Betrieb und die Erkenntnis: Es nützt nichts, wenn man gut ist. Man muss es auch kommunizieren und wir können noch besser werden. Es gab 2002 einen Großangelegten CD und CI-Prozess, in dessen Verlauf das Leitbild und die neue Corporate Identity der Büchereien Wien erarbeitet wurden.
Weitere Frage: Welche Veränderungen im Image der Wiener Büchereien sind seit dem Umzug ins neue Hauptgebäude feststellbar? Wenn ja, in welcher Form, in welche Richtung?
Christian Jahl: Es hat sicher bei manchen Journalisten, die sich mit dem Thema Bücherei beschäftigt haben, früher ein eher verzopftes Büchereibild gegeben, mit verstaubten Büchern und Regalen und streng drein blickenden BibliothekarInnen mit Brille und Haarknopf. Das war uns nützlich bei unseren Führungen durch das neue Haus, die wir bereits ab Rohbauphase für JournalistInnen angeboten haben. Es gab Erstaunen über das Angebot an entlehnbaren Medien, also neben Büchern die audiovisuellen Medien, Cds, CD-ROMs, DVDs und die vielen Arbeitsplätze mit der Möglichkeit, Cds zu hören, Videos, DVDs anzuschauen, Internet und unsere Computerwerkstatt zu nutzen. So wurden wir als „Bibliothek der neuen Art“ in den Medien „verkauft“, d.h. wir bekamen ein modernes, urbanes Image, das wir immer noch haben und pflegen. Das wirkt sich auch für die Zweigstellen der Büchereien Wien aus. Mit der Eröffnung der Hauptbücherei sind die öffentlichen Büchereien in der Stadt sichtbar und zum Thema geworden.
Mehr aus diesem Interview gibt es im Marketing-Ratgeber für Bibliotheken, den Sie gratis downloaden können (2,8 MB, pdf-Datei).

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March 22nd, 2007 at 11:14 am
[...] Die entscheidende Frage beim Marketing ist die Frage: was will der Kunde überhaupt? Ich könnte also auf die Straße gehen und quer durch Leute befragen. Ist das sinnvoll? In den wenigsten Fällen. Auch wenn sich Personen auf ein Schwätzchen einlassen, woher wollen wir überhaupt wissen, ob es gerade jene Personen sind, die unsere Leistungen generell in Anspruch nehmen würden. Wir sprechen hier von Zielgruppen, die im Mittelpunkt unserer Marketingstrategie zu stehen haben. Über Zielgruppen habe ich auch mit Ulrike Unterthurner, Leiterin der Stadtbücherei Dornbirn, im Rahmen des Marketing-Ratgebers für Bibliotheken gesprochen. [...]