Frank Gillert / Wolf-Rüdiger Hansen: RFID. Für die Optimierung von Geschäftsprozessen.
Auch im Bibliotheksbereich breitet sich, zumindest medial, das Thema RFID rasant aus. Eine ganze Reihe von fortschrittlichen und Technologie-freudigen Institutionen wie die Wiener Büchereien setzen RFID bereits zur Unterstützung wesentlicher Aufgaben – in der Betriebswirtschaft korrekt Kernprozesse genannt – ein. Doch die breite Masse der Unternehmen kann sich mit den neuen Helfern noch nicht so recht anfreunden. Was ist RFID überhaupt? Und welche Konsequenzen hat das für mein Unternehmen? Diese und ähnliche Fragen sollen in diesem Buch beantwortet werden.
Die Autoren, Giller und Hansen, setzen mit diesem Werk zu einer großangelegten Unternehmung an: RFID als Unterstützer von Geschäftsprozessen zu etablieren. Das scheint trotz der medialen Hype um RFID keine leichte Aufgabe zu sein, denn die Risken, die technischen Herausforderungen und die weitverbreitete Sorge um Datenschutz machen RFID zunächst zu einem negativ besetzten Thema. Dass RFID so oder so kommen wird, und zwar im großen Stil, das stellt das Autorenduo nicht einmal fragend in den Raum, das ist beschlossene Sache.
Dementsprechend ist das Buch auch inhaltlich aufgebaut: von den Visionen und Potentialen der RFID-Technik, über den bereits vorhandenen und im Entstehen begriffenen Markt bis hin zu den Möglichkeiten der Geschäftsprozessen durch RFID reicht der inhaltliche Bogen. Im zweiten großen Teil des Buches wird näher auf die technischen Beschränkungen, notwendige IT-Architekturen und RFID-Infrastruktur eingegangen. Ein verhältnismäßig kleiner Teil wird dem Dauerbrenner-Thema „Verbraucherschutz und RFID“ gewidmet, aber dazu später mehr. Ein durchaus interessanter Einblick in die RFID-Praxis gewähren 12 Beispiele aus der Industrie.
Giller und Hansen gelingt es, eine wahre Fülle an Argumenten pro RFID zu sammeln. Sie nennen diese Argumente „Treiber“ für diese Technologie. Darunter finden sich bekannte Sager wie „Prozesseffizienz“, „gesteigerte Innovationskraft“ und „Basis der Zukunftsfähigkeit“. Dass dies keine leeren Worthüllen bleiben, ist der guten Recherchearbeit der Autoren und der Darstellung der Zusammenhänge zu verdanken. Interessant ist auch, dass das Thema „Sicherheit“ als Pro-Argument für RFID dienen kann. So entsteht durch Schwund (Diebstahl, Mitarbeiterdelikte, organisatorische Mängel) jährlich ein Schaden von rund 30 Milliarden Euro allein in Europa. Aber nicht nur der Schaden durch Warenverlust wird hier in die Debatte eingebracht, sondern auch der Schutz von Patienten beispielsweise – Stichwort Markenfälschungen und Produktpiraterie.
Mit der Behandlung des Kernthemas des Buches, der Unterstützung von Prozessen, müssen sich aber auch die meisten Bibliotheken besonders auseinandersetzen. Obwohl hier vorrangig Logistikprozesse und Verpackung abgehandelt werden, so lässt dies dennoch viel geistigen Spielraum für bibliothekarische Anwendungsfälle. Schon allein die Methodik und der Betrachtungswinkel sind für bibliothekarische Augen und Ohren einige Quadratkilometer Neuland.
Spätestens seit der Einführung des RFID-Chips in unseren Reisepässen ist diese Technologie tief in unsere Privatsphäre eingedrungen. Mit dem Tagging von Kleidungsstücken, der Ausstattung von RFID-Mobiltelefonen und der auf RFID und Mikrowellen basierten Straßenmaut (in Deutschland) sehen wir der Veralltäglichung von RFID entgegen. Damit ergeben sich aber auch Datenschutz-rechtliche Grauzonen für den Endkonsumenten, wenn er / sie beispielsweise mit RFID-Tags versehene Artikel erwirbt und diese mit dem Kundenkonto zu einer Profil-Erstellung genutzt werden (können).
Empfehlung:
Giller und Hansen haben hier ein sehr fundiertes Buch zum RFID-Thema geschrieben. Es ist aus einer betriebswirtschaftlichen Perspektive bewertet und dient vor allem denjenigen Personen, die sich im Bereich der Betriebsorganisation und des Prozessmanagements bewegen. Damit ist es auch allen Führungskräften nahe gelegt, sich in dieses Thema einzulesen. Aus der Sicht der Bibliotheken wird auch an RFID kein Weg vorbei führen – so wie es die beiden Autoren für die gesamte Industrie und Dienstleistungsbranche kommen sehen. Also besser jetzt das Thema angehen und Potentiale und Risiken bewerten als später hektisch auf Tatsachen zu reagieren.
Für Informationsmanager mag das Thema zunächst nur eine bemerkenswerte Randerscheinung sein. Doch der Tag ist nicht fern, und auch Information wird getaggt. Mit einer neuen Form der Metatags. Warten wir es ab.

Bibliographische Angaben:
Frank Gillert / Wolf-Rüdiger Hansen: RFID. Für die Optimierung von Geschäftsprozessen. Hanser Verlag München, 2007; ISBN-10: 3-446-40507-0
[Technorati Tags: RFID - Prozessmanagement - Optimierung - Bibliothek ]
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