Central and Eastern European Online Library: Der Weg in Richtung eBook

Ich habe die Central and Eastern European Online Library (C.E.E.O.L) beiläufig über einen Folder auf dem Österreichischen Bibliothekartag 2006 in Bregenz kennengelernt. Neugierig, mehr über diese Organisation zu wissen, habe ich Wolgang Klotz, Ansprechpartner bei C.E.E.O.L, zu einem Interview gebeten.

MBuz: Herr Klotz, das C.E.E.O.L hat sich auf Mittel- und Osteuropa spezialisiert. Was genau dürfen sich KundInnen von Ihnen erwarten?

WK: Generell unterscheiden wir institutionelle und individuelle KundInnen. Universitätsbibliotheken z.B. als typische Beispiele von Typ 1 profitieren durch C.E.E.O.L. in Form von

  • erheblich günstigeren Preisen im Vergleich zu Print-Abonnements
  • erheblich bequemeren Zugriff auf Dokumente seitens der BibliotheksnutzerInnen
  • Wegfall der bibliographischen Erschließungsarbeit

Individuelle Kunden sind im allgemeinen Personen, die sich in irgendwelcher Form professionell oder aus persönlichem Interesse mit einem auf Mittel- / Osteuropa bezogenen Aspekt befassen. Sie alle standen traditionell vor dem Problem, dass es für ihr Interessensgebiet eine ganze Reihe interessanter Publikationen gab, das persönliche Budget aber in der Regel nur ein oder zwei Abonnements erlaubte. Und andererseits enthielt jede abonnierte Zeitschrift immer auch einige Artikel, die einen nicht interessierten.
Weil sie nun in C.E.E.O.L. als individuelle NutzerInnen nicht ein Abonnement bezahlen und auch keine zeitlich befristete Bindung eingehen, sondern sich aus allen dort verfügbaren Publikationen nur die Artikel aussuchen und erwerben, die sie auch wirklich interessieren, liegt genau hierin der entscheidende Vorteil:

  • ich bezahle nur, was ich auch wirklich lesen will
  • ich gehe keine regelmäßige Zahlungsverpflichtung ein, sondern eröffne ein Nutzerguthaben nach meinem Belieben
  • ich habe von (fast) jedem Ort der Welt Zugriff auf die Dokumente (falls mit auf den Malediven beim Monsun der Lesestoff augeht…)
CEEOL

MBuz: Die C.E.E.O.L scheint keine typische Bibliothek zu sein, wie man es dem Namen nach entnehmen könnte. Können Sie uns etwas zum Geschäftsmodell sagen? Wie wird diese Institution finanziert, und welchen Beitrag leisten Ihre “direkten” Kunden?

WK: Das Geschäftsmodell beruhrt auf Kooperationsverträgen mit den herausgebenden Einrichtungen in Osteuropa. Sie erhalten in der Regel 70% des Netto-Umsatzes durch individuelle Downloads bzw. institutionelle Lizenzverträge. “In der Regel” bedeutet, dass dieser Satz bis zu 40% sinken kann, wenn die bibliographische Erfassung der einzelnen Artikel durch uns in Frankfurt vorgenomen wird. Die C.E.E.O.L erhält keinerlei öffentliche Subventionen.

MBuz: Noch eine letzte Frage zu den Dienstleistungen - welche neuen Projekte und Services dürfen wir uns von der C.E.E.O.L in Zukunft erwarten? Wohin geht die Reise?

Ab 2007 soll es eine parallele Web-Site geben, die sich mit der gleichen inhaltlischen und geographischen Ausrichtung den elektronischen Büchern widmet. Schon jetzt kooperieren eine ganze Reihe von Verlagen mit uns, die neben den Periodika auch Bücher produzieren und mit diesen - in gedruckter Form - die gleichen logistischen und ökonomischen Probleme haben wie mit den Zeitschriften: als Verleger in Bukarest macht es für Sie keinen wirtschaftlichen Nutzen, ein Buch für umgerechnet 16 US$ nach Idaho zu verschicken, wenn Sie 25 US$ Gebühr für die Banküberweisung zahlen müssen. Daher ist das Interesse groß, das ausländische Leserpotential auch im Buchsektor in elektronischer Form zu versorgen.

C.E.E.O.L. versteht sich in beiden Bereichen - Periodika und Bücher - lediglich als Distributor und Dienstleister gegenüber den osteuropäischen Verlagen.

MBuz: Vielen Dank für das Interview!

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