Dirk Lewandowski: Bibliotheken und Wissenschaftssuchmaschinen

Live vom österreichischen Bibliothekartag, ein (von mir) mit Spannung erwarteter Beitrag von Dirk Lewandowski über die Positionierung von Bibliotheken gegenüber Wissenschaftssuchmaschinen.

Dirk Lewandowski führt über neue, aktuelle Web 2.0 Trends in das Thema ein: das Web ist ein Mitmach-Web. Bereiche: kollaborative Tools, Blogs, Tagging als Ersatz von Verschlagwortung.

Allgemeine Trends in der Suche:

  • Benuterführung nach der Präsentation der ersten Ergebnisse (Vorschläge zur Erweiterung / Eingrenzung der Suche, Verweise auf Spezialsuchen)
  • Personalisierung (Pushdienste, Alerts, Ergebnispräsentation)
  • Suche findet nicht mehr nur in Suchmaschinen statt
  • Suchmaschinen werden verstärkt zu Trefferlieferanten

Was ist das Academic Web? Sowohl im Surface Web als auch im Deep Web existiert ein Academic Web: dies sind wissenschaftliche Texte bzw. Datenbanken

Was sind Wissenschaftssuchmaschinen? Beispiele

  • Google Scholar - Suchmaschine für wissenschaftliche Literatur; Quellen: freies Web, Verlage, Open-Access-Archive, kein Quellenverzeichnis
  • Erfassung der Inhalte: crawler-basiert, keine Feeds von Verlagen; die Erschließung ist leider absolut unzuverlässig
  • Windows Live Academic: Suche in Verlagsarchiven (Aufsätze), bereits in die MSN-Suche eingebunden, jedoch frühes Entwicklungsstadium
  • Scirus: Academic Surface Web, Teile des Academic Invisible Web, Elsevier Content
  • Forschungsportal.net: Websites der in D öffentlich geförderten Forschungseinrichtungen
  • Google Buchsuche
  • Open Content Alliance: das Gegenmodell zur Google Buchsuche (von Web Archive, Yahoo, MSN)
  • Amazon
  • Google News Archive
  • Yahoo Subscriptions

Anspruch der Wissenschaftssuchmaschinen geht aber weit über den der Bibliothekskataloge hinaus:

  • Inhalte:
  • Erschließung
  • Suche

Nachteile: unklare Quellenlage, mangelhafte Erschließung, zu allgemeine Community

Situation: Bibliotheksangebote sind bisher nur Nachahmer, nicht Vorreiter. Es gibt jedoch wenige Wissenschaftssuchmaschinen aus der Bibliothekswelt:

  • BASE
  • HBZ-Suchmaschine
  • Vascoda
  • Dandelon

Welche Chancen ergeben sich für Bibliotheken? Dies ergibt sich auf 3 Ebenen:

  • Technische Ebene: Suchmaschinentechnologie löst DB-Technologie ab
  • Benutzerebene: Kundenorientierung ist notwendig. Stichwort “Benutzerführende Systeme”
  • Erschließungsebene: diese Kernkompetenz in die neuen Anwendungen “hinüberretten”

Wie können Bibliotheken ihre Angebote optimal adaptieren? Dirk Lewandowski schlägt vor, die Stärken der kommerziellen Anbieter und bibliothekarische Kompetenzen in den neuen Anwendungen zu vereinigen. Dies kann auf den folgenden Ebenen geschehen:

  • Erschließung
  • Empfehlungssysteme
  • Frage-Antwort-Systeme
  • Anreicherung der Titelaufnahmen
  • Nutzergenerierte Inhalte

Insgesamt ein sehr gut besuchter Vortrag, der deutlich macht, wie stark das Thema “Suchmaschinen und Web” die Bibliothekswelt auch im deutsch-sprachigen Raum zu beschäftigen beginnt.

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