Bibliotheken und Wissenschaftssuchmaschinen

In einer Vorschau auf den Österreichischen Bibliothekartag 2006 in Bregenz geht es in diesem Post um einen Vortrag von Dr. Dirk Lewandowski, der über das Verhältnis von Bibliotheken und Wissenschaftssuchmaschinen referieren wird.

Bibliotheken sind (oder je nach Auffassung ‘waren’) in ihrem traditionellen Rollenverständnis die Erschließer wissenschaftlicher Fachinformation. Sie boten einen systematischen, ‘handerlesenen’ Zugang zu wichtiger Forschungsliteratur, ohne die die Wissenschaft nie ihr Auslangen gefunden hätte. Seit dem Aufkommen des Internets und diverser Suchdienste hat sich die Situation aber verändert.

Dr. Lewandowski wird in seinem Referat während des Österreichischen Bibliothekartags 2006 auf diese Situation eingehen. Seiner Meinung nach sind “Bibliotheken nur noch bedingt die erste Adresse für die Recherche nach wissenschaftlicher Literatur. In den letzten Jahren haben sie zunehmend Konkurrenz einerseits durch die Angebote der Wissenschaftsverlage, andererseits durch die Web-Suchmaschinen bekommen. Stärken der Suchmaschinen sind vor allem die Einfachheit der Bedienung und die Recherche über den kompletten Datenbestand mittels einer einzigen Suchmaske.”

Welche Möglichkeiten bieten sich also Bibliotheken an, verlorenes Terrain wieder zurückzugewinnen? Zum einen kann die Strategie darin bestehen, den Weg hin zum Leser (=Kunden) zu gehen. Diverse Erfolgsbeispiele aus dem Bereich der Öffentlichen Bibliotheken stehen hier stellvertretend. Zum anderen müssen sich Bibliotheken der Konkurrenz der Suchmaschinen direkt stellen und ihr eigentliches Kerngeschäft, die Informationsvermittlung, verteidigen. Hier geht es darum, die Kunden durch überzeugende Leistungen, Werkzeuge und Angebote zurückzuholen.

Dr. Dirk Lewandowski wird einen Überblick über das Feld der Wissenschaftssuchmaschinen geben (Google Scholar, Windows Live Academic, Scirus) und basierend auf einer Stärken- und Schwächenanalyse
aufzeigen, wie sich wissenschaftliche Bibliotheken in diesem Bereich positionieren können.
Die Aufgabe der wissenschaftlichen Bibliotheken wird es zukünftig sein, das wissenschaftliche Web (inklusive dem Academic Invisible Web) zu erschließen. Diese Aufgabe ist aufgrund der Masse und Komplexität nicht von einer einzelnen Bibliothek zu leisten, sondern bedarf einer kollaborativen Anstrengung“, meint Dr. Lewandowski vorausschauend.

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One Response to “Bibliotheken und Wissenschaftssuchmaschinen”

  1. Ich bezweifle, dass es Bibliotheken und Bibliotheksverbünden gelingen wird, gegen die Konkurrenz der Suchmaschinen zu bestehen. Wie die Entwicklung zeigt, scheinen die Produzenten inzwischen eine enorme Wirtschaftskraft erlangt zu haben. Wie sollen öffentlich finanzierte Einrichtungen mit diesen Ressourcen konkurrieren können? Die Entwicklung deren Etats gibt auch keinen Anlass zu Hoffnung auf Besserung.
    Ich sehe die Zukunft der Bibliotheken - stark verkürzt - so:
    - Aufbereiten der Daten wissenschaftlicher und sonstiger Informationsquellen und Speicherung in Datenbanken (seit jeher als “Katalogisierung” ein Kerngeschäft; nur sollten die alten, konservativen Haltungen über Bord geworfen werden)
    - Freigabe des Zugriffs zu diesen Daten für die Suchmaschinen
    - parallel dazu - nach wie vor - das Angebot von OPACs (derzeit sind die Suchmöglichkeiten um vieles besser als in den herkömmlichen Suchmaschinen, z.B.: Indexaufblättern, Maskierung, Verknüpfung, Vielfalt der Suchfelder)
    - Bereitstellen der Originaldokumente (noch lange wird ein großer Teil der Literatur nicht virtuell verfügbar sein) vor Ort und durch Fernleihe
    - Bestandssicherung auch für die Nachwelt
    - Persönliche Beratung und Betreuung in Bibliotheken und per Telefon bzw. Email
    - Vermittlung von Informationskompetenz
    - Angebot von Räumen zum Literaturstudium, Kommunikation, Freizeitgestaltung, freien Internetzugang (ich kann mir vorstellen, dass viele ältere Menschen noch keinen privaten Zugang haben und dass ihre Schwellenangst bzw. mangelnde Fertigkeit durch persönliche Betreuung gemindert werden kann)

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