Semantic Web – Wege zur vernetzten Wissensgesellschaft

Und das Semantic Web bewegt sich doch – trotz verflogener Euphorie bleiben Konzepte gültig und eine Realisierung eines semantisch verflochtenen Internets keine Phantasie. Aber wo bleiben die Bibliotheken? Eine Buchrezension zum gerade herausgekommenen Band: Semantic Web – Wege zur vernetzten Wissensgesellschaft.

Was haben wir in den letzten Jahren doch alles über die Zukunft des Web gehört – semantisch verbunden soll es werden, die Technologien stehen parat, umsetzen bräuchte es man nur. Und an diesem ‘nur’ ist bis dato alles ‘gescheitert’, was es zu scheitern gibt. Es braucht doch weit mehr als nur das technische Konzept. Woran liegt es also?

57 Autoren und Autorinnen geben im soeben erschienen Werk ‘Semantic Web. Wege zur vernetzten Wissensgesellschaft‘ ihr Expertenwissen weiter, warum das Semantic Web so schwer zu realisieren ist, welches Potential in ihm steckt und warum es sich lohnt, weiterhin mit dem Semantic Web als Zukunftsvision zu rechnen.

Auch wenn das Semantic Web ein fast schon zentraler Begriff der Web-Community zu sein scheint, so recht sind sich die NutzerInnen nicht einig darüber, was Semantic Web überhaupt heißt und was es in seinem Umfang tatsächlich bedeutet. Ein Indiz für diese Feststellung gibt das Buch selbst – setzt es sich doch mit dieser Abgrenzung von Semantic Web ausführlich im ersten Kapitel auseinander.

Semantics

Nun, was ist das Semantic Web und was soll es einmal können? Klaus Tochtermann und Hermann Maurer meinen in ihrem Beitrag: “Die grundlegende Idee besteht darin, Inhalte im Web so anzureichern, dass sie nicht nur für Menschen verständlich sind, sondern auch von Maschinen zumindest soweit erfasst werden können, dass Automatisierung auch auf der Ebene der Bedeutung möglich wird.”

Das Grundproblem besteht darin, dass wir im Web über Dokumente verfügen, aber nicht ihrem Bedeutungsgehalt nach finden können. Auslöser dieses Dilemmas ist die Schnittstelle Mensch-Maschine, da zweitere nicht über das Wissen über den Inhalt verfügt. Das soll im Rahmen des Semantic Web anders werden – eine Art gigantische Verschlagwortung des Web soll dieses Problem beheben.

Mit den diversen Metatags wurde das Problem schon früh angegangen, erwiesen sich diese aber als zu mißbrauchsanfällig und ohne jegliche Normen als unbrauchbar. Normen und Standards scheinen im Semantic Web überhaupt eine zentrale Rolle zu spielen. Wie jede/r BibliothekarIn weiß, kann eine einheitliche Erfassung nur dann erfolgreich sein, wenn zuvor ein Modell zur Erschließung festgelegt wurde.

Und das ist die gute Nachricht aus dem Semantic Web: BibliothekarInnen sind die wahren Experten, wenn es darum geht, Wissen zu vernetzen. Nicht Techniker, nicht Marketing-Fachleute. Und die schlechte? Die Entwicklung des Semantic Web und der ihr zugrunde liegenden Technologien geht ohne diese Experten-Gruppe munter weiter; bezeichnend auch die Herkunft der 57 AutorInnen – kein einziger (aktiver) Bibliothekar, gerade mal 3 TerminologInnen, und bis auf eine Handvoll Querdenker nur mehr Techniker und Informatiker, Unternehmer und Forscher. Semantic Web – quo vadis?

Es wird Zeit, dass sich auch die Bibliotheksszene ernsthaft mit dem Thema Semantic Web auseinander setzt. Es verwundert nicht, dass das Image des Bibliothekarberufs derart verstaubt da steht. Während in den anglo-sächsischen Ländern BibliothekarInnen im Rahmen von Web-Projekten sehr gefragte Fachleute sind, kommt bei uns niemand auf die Idee, dieses Wissen zu nutzen.

Das Buch ist als Einstieg in diese Thematik sehr empfehlenswert – gut geschrieben und facettenreich. Bibliotheken sollten hier ein ernsthaftes Wort mitreden, in ihrem eigenen Interesse; und im Interesse der Web-NutzerInnen.

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