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Die Sprache der Bahn: Raillexic

Posted on | June 21, 2006 | 1 Comment

Die Deutsche Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis e.V. hat mit Band 8, “Die Sprache der Bahn. Zur deutschen Eisenbahnsprache im europäischen Kontext“, ein Markenzeichen besonderer Art gesetzt. In zahlreichen Beiträgen wird die Geschichte, die Bedeutung und die Fortentwicklung der Eisenbahnsprache aufgespürt.
Ich bin kein Eisenbahn-Experte, höchstens ein Vielfahrer, der sich dann auf Stationen, Bahnsteigen und in der Kassenhalle wieder findet. Aber schon diese wenigen Örtlichkeiten lassen die Weite der Eisenbahnersprache erahnen. Alles Begriffe, die sich erst Mitte des 19. Jahrhunderts und sehr oft erst im 20. Jahrhundert gebildet und im gemeinsamen Sprachschatz gefestigt haben. Also, für die Eisenbahnfachsprache ist der Zug noch lange nicht abgefahren.

Lothar Hums hat mich in seinen diachronischen Beiträgen zur deutschen Eisenbahnfachsprache einiges Neues lernen lassen. Von den Einflüssen des Französischen und des Englischen auf die Termini der deutschen Eisenbahnen, die früher eher Eisenstraßen hießen, in Anlehnung an die englische iron road; solche Beispiele gibt es zur Genüge: die Trace, Billets-Bureaus, Bahnhof-Etablissements oder Ausstiegstroittoire. Diese Dichte an Neuem und gleichzeitig im Hinterkopf Bekanntem bleibt während des gesamten Buches aufrecht.

Ich bin erstaunt und je mehr ich das Buch lese, umso mehr fesselt mich das Thema. Dabei bleibt es nicht bei der Geschichte und Fortentwicklung der Eisenbahnsprache, ganz im Gegenteil. Das Buch schwenkt wie selbstverständlich über zur Terminologiebildung modernen Schlages und präsentiert die Bahn als eine zukunftsorientierte, international agierende Organisation, die die modernen Möglichkeiten der Kommunikation für sich zu nutzen weiss.

Ein faszinierendes Beispiel für Terminologiearbeit ist das Produkt RailLexic. RailLexic ist eine Terminologie-Datenbank in mittlerweile 19 Sprachen (Tschechisch, Dänisch, Holländisch, Englisch, Esperanto, Finnisch, Französisch, Deutsch, Ungarisch, Italienisch, Japanisch, Polnisch, Portugiesisch, Rumänisch, Russisch, Serbisch, Slowakisch, Spanisch und Schwedisch) und mit rund 16.000 Fachbegriffen. RailLexic ist auf CD-ROM käuflich zu erwerben (rund 140 Euro pro Arbeitsplatz).

Bild: Screenshot aus RailLexic

Jeder Begriff ist in einen der 104 Fachthemen eingefasst und wird mit allerlei Termvarianten, Definitionen und Fachgebietsbezeichnungen im Thesaurus geliefert. Der Thesaurus ‘Eisenbahnverkehr’ wird vom UIC (Internationaler Eisenbahnverband) erstellt und fortentwickelt. Eine Suchfunktion erleichtert die Arbeit mit der Datenbank. Das Projekt findet im Buch seinen wohlverdienten Platz und ist ein gutes Beispiel, wie Terminologie-Arbeit erfolgreich wie auch über Grenzen hinaus befruchtend wirken kann. Insgesamt haben 28 Bahnen am Projekt teilgenommen.

Alles in allem ist ‘Die Sprache der Bahn’ ein sehr gelungenes Buch. Es ist sowohl für den Laien als auch für den Experten interessant. Für den Terminologen ein Referenzbuch darüber hinaus.

Das Buch kann hier erworben werden…

Bibliographische Angaben: Alfred Gerstenkorn, Lothar Hums, Armin Schmidt (Hrsg.): Die Sprache der Bahn. Zur deutschen Eisenbahnsprache im europäischen Kontext. Frankfurt a. Main, 2006 ISBN3-925474-56-0

[Technorati Tags: Terminologie - Eisenbahn - Fachsprache - Raillexic - ]

Comments

One Response to “Die Sprache der Bahn: Raillexic”

  1. Die Technik ist weiblich : Weblog Archiv » Die Sprache der Eisenbahn
    June 21st, 2006 @ 2:07 pm

    [...] Rezensent Mark Buzinkay:  Lothar Hums hat mich in seinen diachronischen Beiträgen zur deutschen Eisenbahnfachsprache einiges Neues lernen lassen. Von den Einflüssen des Französischen und des Englischen auf die Termini der deutschen Eisenbahnen, die früher eher Eisenstraßen hießen, in Anlehnung an die englische iron road; solche Beispiele gibt es zur Genüge: die Trace, Billets-Bureaus, Bahnhof-Etablissements oder Ausstiegstroittoire. Rezension [...]

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