Technologische Trends beim Einsatz semantischer Netzwerke – Teil 2
Der 2. Teil der Rezension beschäftigt sich mit Bügels Annahmen über zukünftige Anforderungen an Informationsprojekte. Der 1. Teil ist hier nachzulesen.
Anmerkung: Dieser 2-teilige Post ist eine Rezension eines Buchbeitrages von Ulrich Bügel (Frauenhofer-Institut IITB in Karlsruhe), der im Sammelband ‚Knowledge extended’ erschienen ist (Jülich 2005, Band 14). Ulrich Bügels Anliegen ist es, den Boden für semantische Technologie, wie sie im Web 2.0 verwendet wird, aufzubereiten. (1. Teil der Rezension) und dann eine Einführung in das Semantic Web zu geben.
Im 1. Teil stellte Bügel fest, dass es für hierarchische Ordnungen in Wissensrepositorien wie Content Management Systemen eine ‚natürliche’ Grenze gibt: die Antwort auf das drohende Wartungschaos ist die Vernetzung der Wissensbausteine, und zwar auf eine Art, die die Verbindung der einzelnen Dokumente ‚automatisiert’ ermöglicht. Wie ist das realisierbar?
Bügel beginnt seine Ausführungen über die zu erwartenden Anforderungen an solche Systeme mit einem Zitat von Tim Berners Lee zum Semantic Web: „the Semantic Web is an extension of the current web in which information is given a well-defined meaning, better enabling computers and people to work in cooperation“.
Damit wäre eigentlich schon alles gesagt: das Semantic Web ist eine Ansammlung von Dokumenten, Datenbanken etc., welche mit semantischer Metainformation versehen sind. Dies soll mit Hilfe geeigneter Werkzeuge geschehen und dient in letzter Konsequenz der intelligenten Suche und automatisierten Diensten von Anwendungen.
Semantische Metainformation basiert auf Ontologien. Ontologien sind, trivial übersetzt, eine Definition von Bedeutungen ihrer Einzelbausteine und ihrer Verbindungen zueinander. Da Wörter verschiedene Bedeutungen haben können, sind diese Definitionen notwendig. Weil aber in den unterschiedlichen Wissenszusammenhängen (Wissenschaften, Kulturen) Bedeutungen ebenso variieren, kann es keine Universal-Ontologie geben, sondern viele spezielle, die dann über „Übersetzer“ verbunden werden können. In der Technik werden Ontologien im OWL-Standard (Web Ontology Language) umgesetzt.
Bügel sind die Vorteile, die das Semantic Web der Allgemeinheit bringen soll, in drei Punkten:
- Semantische Abfragen und Suche: Ontologien sollen die Suche erleichtern, indem sie zunächst einen Bedeutungskontext herausfiltern und dann auf eine bestimmte Gruppe von Dokumenten zugreifen; zusätzlich soll diese Technologie die Anwendung automatisierter Dienste über Agenten ermöglichen, also den Austausch von Information zwischen programmierten Diensten, die fallbasierend Entscheidungen treffen können.
- Interoperabilität: Die derzeit vorherrschende Insel-Landschaft von Webseiten, Datenbanken und anderen Wissensrepositorien soll mit Hilfe des Semantic Web verbunden werden, in der Weise, dass diese traditionellen Domänen aufeinander gemappt werden. Das heißt, dass unterschiedliche Begriffe mit gleicher Bedeutung wie gleiche Begriffe mit unterschiedlicher Bedeutung richtig eingeordnet werden und somit dem Austausch von Dokumenten und Information nichts im Wege steht.
- Engineering: Ontologien müssen erstellt werden, sie werden aber schnell komplex, da mit jedem neuen Element eine Vielzahl an neuen Attributen und neuer Beziehungen entsteht. Neue Elemente können aber aufgrund logischer Ableitung automatisiert erstellt werden, was unter Verwendung von OWL realisierbar wird.
Bügel fordert gerade im Bereich der Erstellung und Wartung von Ontologien jegliche Möglichkeit der Automatisierung zumindest zu prüfen, da die bis dato übliche Vorgehensweise der manuellen Erweiterung zwar korrekt, aber im dynamischen Wettbewerbsumfeld langsam ist.
Mögliche Anknüpfungspunkte für eine Automatisierung der Erstellung von Ontologien sieht Bügel bei
- Erweiterbarkeit durch Konfiguration des Codes
- Klassifikation von Dokumenten
- Implizit vorliegender Beziehungen
Bügel hat keine Zweifel, dass die Zukunft der Wissensablage in den Händen semantischer Netzwerke liegt. Die Technik ist bei weitem nicht ausgereizt, Trends sind aber schon zu erkennen. Das W3C leistet hier wichtige Vorarbeit. Eine ganzheitliche Sicht auf alle Informationsbestände in einer Organisation sind in greifbare Nähe gerückt.
Und hier das Buch zur Rezension - Knowledge extended!
Idea Lounge - das Potential von Web 2.0 nützen






June 19th, 2006 at 5:33 am
[...] Dieser Post ist eine Rezension eines Buchbeitrages von Ulrich Bügel (Frauenhofer-Institut IITB in Karlsruhe), die im Sammelband ‚Knowledge extended’ erschienen ist (Jülich 2005, Band 14). Ulrich Bügels Anliegen ist es zunächst, den Boden für semantische Technologie, wie sie im Web 2.0 verwendet wird, aufzubereiten. Dies wird auch der Inhalt des 1. Teils dieser Rezension sein. Der 2. Teil beschäftigt sich dann mit Bügels Annahmen über zukünftige Anforderungen an Informationsprojekte. [...]