Wikipedia, Open Access & Co - Herausforderung für Verlage
Im Rahmen der ‘Knowledge extended‘ 2005 untersuchte Christoph Bläsi von der Universität Erlangen-Nürnberg das Konkurrenzverhältnis zwischen Lexikonverlagen und freien Enzyklopädien wie Wikipedia. Dies ist eine neue Situation für Lexikonverlage, doch es gäbe einiges von der Softwareindustrie abzugucken, die es schon seit längerem mit einem ähnlichen Phänomen zu tun hat - der Open-Source-Software.
In dieser 3-teiligen Serie möchte ich Bläsi’s Ausführungen zusammenfassen und kommentieren. Im ersten Teil geht es um die Bedeutung von Enzyklopädien, um Wikipedia und um die Analogie zur Open-Source-Software. Im zweiten Teil werden Strategien der Softwareindustrie angesprochen, wie diese mit Open-Source Konkurrenz umgehen. Im dritten und abschließenden Teil geht es um mögliche Strategien, die die Verlage entwickeln könnten, wie sie mit Open Access umgehen wollen.
Bläsi stellt einführend fest, dass Wikipedia als Enzyklopädie eine bedeutende Alternative zu Offline-Lexika geworden ist, zumindest für die Nutzer von Enzyklopädien. Der Wettbewerbsvorteil liegt auf der Hand: Wikipedia ist frei verfügbar, ohne Kosten für den Nutzer. Dass dies die Lexikonverlage zum schwitzen bringt, belegen die Dimensionen von Wikipedia:
- derzeitiger Umfang: 265.000 Artikel (in der deutschsprachigen Version)
- Besucher: täglich um die 500.000
Wikipedia bietet aber neben dem Nachschlagen bekanntermaßen auch das aktive Mitarbeiten am Inhalt an: nach einer Registrierung steht es jedem frei, sein Wissen in die freie Enzyklopädie einzubringen. Dabei tritt man seine Autorenrechte mittels einer GNU-Lizenz für freie Dokumentation als alle Nutzer ab.
Kritiker wie der Brockhaus-Verlag hinterfragen allerdings die Qualität der einzelnen Artikel, einen gemeinsamen Qualitätsstandard, eine Ausgewogenheit der Themen im Gesamtbild und die (zu) hohe Aktualisierungsrate bei Wikipedia, die ja dadurch entsteht, dass vorhandene Artikel weiterhin modifiziert werden können. Wikipedia kontert mit dem Hinweis auf die für jedermann einsehbare Änderungshistorie der Artikel sowie auf die Demokratisierung der Wahrheitsfindung, will meinen, dass viele beitragen, und nicht einer behauptet, was wahr und nicht wahr sei.
Wikipedia ist ein Flaggschiff der Open Access Bewegung. Hier geht es um die Frage: wem gehört Wissen? Ist Wissen ein öffentliches Gut, ein Common? Wenn dem so ist, dann ist es zu schützen, denn die Geschichte der westlichen Zivilisation zeigt, dass das, was commons ist, sehr bald privat wird und für andere ohne Zugriff und Verfügung. In einer verrechtlichten Welt wird dieser Schutz öffentlicher Güter dadurch sichergestellt, dass ein Recht für jedermann festgelegt wird. Mehr zur Creative Commons Lizenzierung findet sich hier…
Wikipedia verwendet aber nicht die Creative Commons Lizenz, sondern eine Lizenz, die noch aus der Software-Welt stammt: die GNU-Lizenz (General Public Licence). Dieses Modell einer Lizenz basiert auf der Überlegung, dass Personen, die Software entwickeln und diese anderen zu ihren Zwecken überlassen, auch die neuen Nutzer verpflichten, Ableitungen ihrer Software-Entwicklung unter die gleichen Bedingungen einer GNU-Lizenz zu stellen.
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May 29th, 2006 at 5:12 pm
Die Lizenz der Wikipedia ist die GNU Free Documentation License. Es ist eine Schwesterlizenz für Texte.
Die Ausführungen im Blog sind insofern falsch.
May 29th, 2006 at 5:51 pm
Sie haben recht, die Lizenz der Wikipedia ist die GNU Free Documentation License. Es wird im obigen Post auch einmal erwähnt (”Dabei tritt man seine Autorenrechte mittels einer GNU-Lizenz für freie Dokumentation als alle Nutzer ab.”), nicht jedoch in der korrekten Fassung am Ende des Beitrags.
Hier der Verweis: GNU Free Documentation License
Danke für den Hinweis
June 17th, 2006 at 7:37 pm
[...] « Wikipedia, Open Access & Co - Herausforderung für Verlage Wikipedia, Open Access & Co - Herausforderung für Verlage, Teil 3 » [...]
June 17th, 2006 at 7:38 pm
[...] Im abschließenden und dritten Teil der Serie über die Herausforderung durch freie Enzyklopädien wie Wikipedia für Lexikonverlage geht es um mögliche Strategien für die bisherigen Platzhirsche. In den 2 Teilen zuvor hatte ich Wikipedia vorgestellt und die Strategien der Software-Industrie im Umgang mit Open-Source-Software (Teil 1 und Teil 2). Die Ausführungen basieren auf dem Beitrag von Christoph Bläsi im Sammelband ‘Knowledge extended‘. [...]