Wikipedia, Open Access & Co - Herausforderung für Verlage, Teil 2

Im ersten Teil dieser Serie habe ich über die Herausforderung ‘Wikipedia’ für Lexikonverlage berichtet. Meine Ausführungen sind eine Rezension und ein Kommentar zum Beitrag von Christoph Bläsi im Sammelband ‘Knowledge extended’. Dieser zweite Teil beleuchtet nun Aspekte der Software-Industrie, wie sie mit der schon seit längerem bestehenden Konkurrenz durch Open-Source-Software umgehen.

Wie definiert sich Open-Source-Software? Bläsi nennt

  1. die Lizenz der Software
  2. die nicht-kommerzielle Einstellung
  3. den hohen Grad an Kollaboration bei der Programm Entwicklung
  4. die starke räumliche Verteilung der Entwickler

als charakteristische Merkmale. In der Open-Source-Welt existieren unterschiedliche Lizenzarten, jedoch alle räumen das Recht zum Lesen, Nutzen, Modifizieren und Distribuieren von Quellcode ein.

Besonders der hohe Grad der Kollaboration macht das Open-Source-Modell so interessant. Software-Entwicklung ist ein höchst kreativer und ein an mehreren Problemen gleichzeitig und unabhängig von einander ablaufender Prozess, der sich mit Problemen als einzelnen Entitäten beschäftigt. Die Lösung, sprich die Mutation von Quellcode, wird von der Community geprüft und deren Weiterverwendung entschieden. Wir haben es hier mit einem höchst evolutionären Prozess zu tun, der es durch die Einsichtnahme in den Quellcode vielen ermöglicht, zu testen und nochmals zu testen.

Dieses Lösungsmodell scheint in der Tat dort besser zu funktionieren, wo inkrementelle Verbesserung zu erreichen sind. Komplexe, neue Entwicklungen müssen aber zentral gesteuert und anders als asynchron kommuniziert werden. Dies passiert ‘besser’ in Unternehmen.

Neben den marktüblichen Mechanismen (Leistung und Preis) kann die Software-Industrie mit OSS auch anders umgehen. Übliche Strategien sind:

  • direkt über Distributionen an OSS-Produkten mitverdienen
  • Auftragvergabe von Komponenten an die OSS-Community
  • Zur Entwicklung von Standards sind offene Quellcodes notwendig
  • eigene Reputation durch Beiträge verbessern
  • Freigabe von Produkten unter der OSS-Lizenz als Waffe gegen Konkurrenten

Hier geht es in Summe um die Bindung der Kunden an sich; das Geschäftsmodell sieht dabei vor, dass Einnahmen über Dienstleistungen erbracht werden, die im Zusammenhang mit dem OSS-Produkt stehen.

Im dritten Teil der Serie versucht Christoph Bläsi die Erfahrungen der Software-Industrie auf die neue Herausforderung der Lexikonverlage durch Wikipedia zu münzen.

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