Optimierungspotenziale bei der praktischen Umsetzung von Open Access, Teil 2

Im ersten Teil der Serie habe ich mich mit der Definition und dem Status Quo von Open Access beschäftigt, basierend auf den Ausführungen von Christian Wolf im Sammelband ‚Knowledge extended’. Im zweiten Teil geht es nun um Erfolgsfaktoren und Geschäftsmodelle für Open Access Publikationen.
Christian Wolf benennt als erfolgskritische Faktoren:

  • Rechtliche Rahmenbedingungen: die Balance zwischen kompletter Freigabe (‚public domain’) und dem Festhalten an allen Rechten (‚all rights reserved’) ist nicht leicht zu finden. Eine Lösung bieten hier variable Lizenzen wie die Creative Commons Lizenzen
  • IT-Infrastruktur: es sind einige technische Belange zu berücksichtigen, da Open Access ja gerade von der Zugänglichkeit, sprich Online-Zugänglichkeit lebt; d.h. dass gerade Aspekte wie Speichermechanismen, Formate, Indexierungssysteme und anderes zu berücksichtigen sind, wenn es um den Aufbau einer Open Access Zeitschrift oder Servers geht.
  • Indexierungsservices: Open Access Zeitschriften sind bislang kaum in kommerziellen Indexierungsdiensten nachzuweisen, was für deren ‚Ruf’ aber durchaus wichtig wäre
  • Akademisches Reward-System: das Renomee einer Zeitschrift für das eigene Veröffentlichtungsvorhaben ist wichtig, und da sind Open Access Zeitschriften noch weit hinter den klassischen wissenschaftlichen Zeitschriften

Neben diesen erfolgskritischen Faktoren finden sich in der Open Access – Szene derzeit drei Geschäftmodell-Typen:

  • Author-pays model: der Nutzer der Zeitschrift zahlt keine Subskriptionsgebühren mehr, sondern der Autor eines Fachartikels (i.d.R. das Institut, in dem der Autor tätig ist) bezahlt für das Erscheinen eine Publikationsgebühr. Diese variiert in der Höhe sehr stark, richtet sich nach den Einkommensverhältnissen des einzelnen Forschers und bietet meist verschiedene Preismodelle.
  • Hybride Geschäftsmodelle: auch hier findet sich das Author-pays Prinzip wieder, jedoch nur für die Kern-Publikation selbst; für Rezensionen, Kommentare etc. werden gegen Subskriptionsgebühr zugänglich gemacht (→ teilweiser Open Access). Eine Abart ist der Optionale Open Access, bei dem normalerweise eine Subskriptionsgebühr fällig ist, aber für eine online-Version entfallen kann, wenn der Autor eine Publikationsgebühr bezahlt.
  • Verzicht auf Autorengebühren: auch das gibt es, und zwar in Zusammenhang mit Subskritionsgebühren-pflichtigen Printausgaben und freien Online-Versionen, die kurze Zeit nach der Printversion zur Verfügung gestellt werden. Außerdem finden sich auch Modelle, die auf Subventionierung basieren – aus öffentlichen wie privaten Mitteln.

Das oben Gesagte gilt im Wesentlichen auch für das Self-Archiving, also das Abspeichern der Publikation auf eigenen digitalen Trägern:

  • die eigene Webseite (individuelles Repositorium)
  • fachbezogene Server (fachliche Repositorien)
  • lokale Publikationsserver (institutionelle Repositorien)

Bei diesen Formen der Zugänglichmachung ist besonders auf die Bekanntheit dieser Quellen als erfolgskritische Faktoren zu achten.

Im dritten Teil dieser Serie geht es dann um Strategievorschläge, wie Open Access zu einem Erfolgsmodell werden kann. Wiederum beziehe ich mich gänzlich auf die Aussagen von Christian Woll aus seinem Beitrag zu ‚Knowledge extended’.

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