Yahoo! und das Recht auf freie Meinungsäußerung
In einem interessanten Artikel von John Stith (hier nachzulesen: Yahoo’s Double Standard: France vs. China) wird die Geschäftsmoral von Yahoo! in einem seltenen Augenblick offenbar: Während ein Gerichtsurteil in Frankreich, dass Yahoo! eine Strafe von 15 Millionen Dollar für die Veröffentlichung von Nazi-Material einbrachte, heftig mit dem Argument der freien Meinungsäußerung bei Gerichten in Kalifornien bekämpft wurde, kooperierte Yahoo! aktiv mit dem chinesischen Regime in der Zensur regime-kritischer online-Nachrichten, was letztlich einen Aktivisten und Redakteur eines Blogs hinter Gitter eines Arbeitslagers brachte. Yahoo! verteidigte sich mit dem Argument, das chinesische Gesetze zu befolgen seien. Mhhm.
John Stith kritisiert zu Recht zum einen die Argumentation: in Falle des französischen Rechtsurteils solle nicht die lokale Rechtssprechung gelten, im chinesischen aber schon. Zum anderen mokiert er sich, ebenfalls zu Recht, über diesen Doppel-Standard, der sich scheinbar nach den Marktbefindlichkeiten richtet.
Yahoo! ist in China aber in bester Gesellschaft: auch Google beugte sich schon dem Druck des Regimes, ‘kritische’ (sprich politische) Inhalte aus dem Index zu verbannen. So ist der Begriff ‘Demokratie’ schlicht nicht vorhanden. Weitere Beispiele liefert Microsoft, die den Blog eines chinesischen Regimekritikers auf Druck aus China einfach löschten. Wie das konkret aussieht, berichtet das Search Engine Journal.
Das Potential des Marktes ist also auch in dieser Branche weit größer als die so genannten hohen ethischen Werte unser Gesellschaft, die uns so ‘überlegen’ gegenüber anderen Zivilisation machen. Wieder zeigt sich, dass Politik und Kommerz sich nicht scheuen, Werthaltungen zu korrumpieren, in dem sie für den jeweiligen Zweck nach Belieben ausgespielt werden.
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