Bali: Die Zerstörung eines Lebensraums

Bali, das Idyll aus „Eat. Pray. Love“ nähert sich mit Riesenschritten seinem Ende als Lebensraum, nicht nur als Destination. Und wir tragen dazu bei.

Gerade las ich eine Kolumne im Guardian, angelockt vom Titel mit der Frage „Are we killing Bali?„. Hmm. Ich überlege keine Sekunde: Ja. Und nicht erst seit heute. Im November 2014 besuchte ich für ein paar Tage die Insel auf dem Weg von Ost-Timor nach Indochina. Und mein erster Eindruck war düster, und die nächsten, die folgten, machten mich nicht optimistischer. Damals schrieb ich in meinem persönlichen Blog u.a. Folgendes:

Anzukommen in Bali […] ist wie in eine andere Welt einzutauchen: Ibiza, Algarve, Rimini. Der Flughafen ist eine einzige lange Schlange von Europäern und Australiern, und dann wieder eine einzige lange Schlange in den Straßen von Bali. Wir huschen im Taxi vorbei an Roxy, McDonalds und RipCurl, an Diskotheken und Bars, an Neonreklamen, die in der Nacht die Straßen hell erleuchten. Pizza und Hamburger, Heineken und Martini, Strandhüte und Bikini. Jeder Meter Strand ist mit Liegen belegt, jeder Zugang mit Verkäufern zugepflastert, und das Wasser mit Ausflugsbooten übersät. Es ist wie in den Touristenhochburgen in Thailand, das Gesicht des Landes ist völlig entstellt. Die ewige Frage, die sich auch in Bali stellt: wie weit kann man gehen, sein Land zu verkaufen und zu verschandeln?

Die Insel hat seine touristischen Zentren und ländliche Flecken, seine Wildheit geht kontinuierlich verloren und die Gewässer um Bali sind von Plastik durchzogen (Link öffnet ein YouTube Video). Noch mehr, die Ressourcen der Insel sind erschöpft. Landwirtschaftlicher Grund wird rar, die Trinkwasserreservoirs schrumpfen auf ein bedenkliches Maß. Die Warnungen gibt es schon seit Jahren, aber die Maschinerie des Tourismusindustrie (inklusive aller so genannter Social Media Influencer) produziert immer höhere Besucherzahlen (knappe 5 Millionen Besucher im Jahr 2018). Damals schrieb ich:

„Nichts beschreibt die Situation treffender als unser Taxifahrer: ‚Bali ist Europa, nicht Indonesien!‘ Er sagt das mit einem Lachen. Ich denke, die Leute hier sind stolz, dass so viele Fremde hier ihren Urlaub verbringen. Es verschafft ihnen Jobs, das kann man nicht leugnen. Aber wenn mehr und mehr in ausländische Hand übergeht, die Ressourcen der Insel knapp werden (Wasser, Land) und letztlich die Abhängigkeit von weltweiten Reisetrends steigt, dann was folgt im nächsten Jahrzehnt?“

Der Backlash wird kommen. Keine Frage. Sobald die Besucherlawine sich angewidert vom Dreck, fehlender Authentizität und touristischer Abzocke in andere Destinationen wälzen und um Bali einen Bogen machen wird, bleiben die Einheimischen auf einem kaum zu reparierenden Scherbenhaufen sitzen. Schön, wenn es NGOs und einzelne Personen gibt, die sich bei Beach cleaning und Plastikmüll Vermeidung engagieren. Doch die Triebfeder des Problems ist eine andere. Und der Massentourismus nur ein Symptom dessen.

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